Beschreibung, Definition, Ursachen und Therapie der Skoliose

Ein Artikel von Heilpraktiker, Physiotherapeut und Osteopath Patric Warten

 

Der Begriff Skoliose stammt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie krumm. 

 

Definition:

Die Skoliose ist eine seitliche Verbiegung der Wirbelsäule, die nicht mehr vollständig aufgerichtet werden kann. Dabei kommt es auch zu einer Rotationsfehlstellung der Wirbelkörper in den betroffenen Wirbelsäulenabschnitten.

 

Meistens betrifft die Skoliose die ganze Wirbelsäule. Nur gelegentlich sind einzelne Wirbelsäulenabschnitte davon betroffen. Sie ist abzugrenzen von einer funktionellen skoliotischen Fehlhaltung, deren Ursache meist eine Beckenfehlstellung ist und die sich durch Maßnahmen der Osteopathie meistens gut beheben lässt.

 

Ursachen:

In rund 90% der Fälle ist die Ursache unbekannt (sog. Idiopathische Skoliosen). Diese Skoliosen beginnen meist im Kindes- und Jugendalter.

Die restlichen 10% der Ursachen sind meistens auf Nerven-, Muskel- oder Bindegewebserkrankungen oder Unfälle zurückzuführen (Sekundäre Skoliosen).

 

Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass die Ursachen einer Skoliose nicht auf einen Beckenschiefstand zurückzuführen sind. Das wird zwar in vielen alternativtherapeutischen Kreisen immer wieder behauptet, stimmt aber nicht. Ein Beckenschiefstand kann zu einer funktionellen skoliotischen Fehlhaltung führen, aber nie zu einer manifesten Skoliose, mit einem Krümmungswinkel von über 10°. Funktionelle skoliotische Fehlhaltungen gehen nie über einen Krümmungswinkel der Wirbelsäule von 10° hinaus.
Das therapeutische Arbeiten am Becken ist von daher bei idiopathischen Skoliosen nur selten von Bedeutung.
Idiopathische Skoliosen führen in rund 50% der Fälle zu einem Beckenschiefstand, weil durch
das Verkrümmen der Wirbelsäule das Becken über den Zug von Bändern in eine ebenfalls krumme Stellung gezogen werden kann.
Alternativtherapeuten behaupten, dass es aufgrund einer Fehlstellung des Beckens zur Skoliose kommt, was eine völlige Verkehrung der Tatsachen ist. Die Wirbelsäule ist nicht krumm, weil das Becken krumm ist, sondern umgekehrt.

 

 

Beschreibung

In meinen weiteren Ausführungen beziehe ich mich nun nur noch auf die Idiopathische Skoliose, die im Kindes- oder Jugendalter auftritt. Wie bereits erwähnt ist die Ursache unbekannt. Sie tritt in Zeiten vermehrten Körperwachstums auf und verschlechtert sich meistens im Jugendalter, wobei die Verschlechterung der Krümmungen individuell sehr unterschiedlich sein kann. Von sehr wenig bis sehr stark. Mit Abschluss des Körperwachstums gehen auch die Verkrümmungen der Wirbelsäule nicht mehr weiter und kommen zu einem Stillstand. Der Status quo der Krümmungen bleibt dabei erhalten.

Die Idiopathische Skoliose tritt ca. viermal mehr bei Mädchen als bei Jungs auf.

Da die Skoliose zumeist keine Beschwerden macht, kann sie lange Zeit unentdeckt bleiben und ist oft eine zufällige Entdeckung der Eltern oder anderer Außenstehender. Es kommt auch immer wieder vor, dass Skoliosen erst entdeckt werden, wenn sie schon sehr weit voran geschritten sind und dann schon Krümmungswinkel von 40 Grad und mehr erreicht sind.

Die Skoliose lässt sich vom Fachmann recht gut diagnostizieren. Dabei wird eine körperliche Untersuchung durchgeführt, bei der die Betroffenen den Oberkörper und die Beine entkleiden sollten. Die Statik des Patienten wird durch betrachten des Oberkörpers und der Beine von hinten, von der Seite und von vorn geprüft. Beim so genannten „Vorneigetest“ wird der Rücken auf eventuelle Rotationsfehlstellungen hin überprüft. Eine Skoliose führt immer mehr oder weniger zu einer Rotationsfehlstellung der Wirbel, die zu einem Rippenbuckel und/oder einem Lendenwulst führen können. Gegebenenfalls wird die Wirbelsäule geröntgt. Auf dem Röntgenbild lässt sich ist die Skoliose einwandfrei feststellen und es kann die Winkelbestimmung nach Cobb (nach dem amerikanischen Orthopäden Cobb) erfolgen.

Therapie

Eine physiotherapeutische Therapie steht bei der Skoliose im Vordergrund. Mir ist dabei die dreidimensionale Therapiemethode nach Schroth (Schroth-Therapie) sehr wichtig. Die dreidimensionale Schroth-Therapie ist eine weltweit anerkannte Therapiemethode bei Skoliosen.
Seit 1999 bin ich anerkannter Schroth-Therapeut. Meine Ausbildung absolvierte ich an der Katharina-Schroth-Klinik in Bad Sobernheim.

Die Methode nach Schroth ist nach Ihrer Begründerin Katharina Schroth (22.2.1894 – 19.2.1985) benannt. Sie litt selbst in Ihrer Jugend an einer Skoliose und musste ein Korsett tragen. Ihre Methode, die sie immer weiter entwickelte, wurde schon in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts bekannt. Viele Menschen aus dem In- und Ausland kamen zu ihr. 1969 erhielt Frau Schroth für Ihre Arbeit das Bundesverdienstkreuz.

 

Wichtig ist auch ein individuelles Schroth-Heimprogramm, das täglich geübt werden sollte. Zusätzlich sollten die Patienten 1-3 x pro Woche, je nach Schweregrad der Skoliose, zur ambulanten Physiotherapie nach Schroth gehen. Gut geübte Patienten können auch mit der ambulanten Therapie immer wieder pausieren, doch sollte das Heimprogramm täglich zuhause geübt werden. Maßnahmen der Osteopathie ergänzen die Therapie. Zusätzlich zur Schroth-Therapie werden auch Haltungsschulungen und andere Therapiemaßnahmen wie z.B. Manuelle Therapie oder Massagen durchgeführt.

Ab einem Cobb-Winkel von 20 Grad erfolgt zusätzlich eine Versorgung mit einem Korsett, das individuell nach Gipsabdruck angefertigt wird. Das Korsett wird täglich, auch nachts getragen und darf nur zur Körperhygiene und zu sportlichen Aktivitäten ausgezogen werden. Das Thema sportliche Aktivität wird individuell mit dem Patienten besprochen, ist aber meistens unter Berücksichtigung einiger weniger Auflagen erlaubt und sogar erwünscht.

Das Korsett wird nach Abschluss des Wachstums wieder abtrainiert. Sehr starke Skoliosen müssen operativ versorgt werden, dabei wird die Wirbelsäule u.a. versteift.

 

Bei früh erkannten Skoliosen bestehen gute Heilungschancen. Bei schon fortgeschrittenen Skoliosen lassen sich meistens die Krümmungswinkel verbessern. Da bei stärkeren Skoliosen auch schon strukturelle Veränderungen an den Wirbeln (Wirbelverformungen) statt gefunden haben, ist eine Heilung meistens nicht mehr möglich. Es kommt sehr auf die Mitarbeit des Patienten an.

Auch besteht die Möglichkeit einer zusätzlichen stationären Behandlung in einer Fachklinik.

 

 

Termin vereinbaren

Falls Sie noch Fragen zum Thema Skoliose haben oder eine professionelle Behandlung oder Beratung wünschen, dann setzen Sie sich bitte mit mir in Verbindung.

 

Seit 1999 bin ich ausgebildeter Schroth-Therapeut.