Lymphödem - Beschreibung und Therapie

Das Lymphödem ist eine Flüssigkeitsansammlung im Zwischenzellraum (Interstitium), die sicht- und tastbar ist. Es wird durch eine Minderleistung des Lymphgefäßsystems hervorgerufen. Das Lymphgefäßsystem hat vorwiegend die Aufgabe, Flüssigkeit aus dem Gewebe abzutransportieren. Kann es diese Aufgabe nicht mehr vollständig leisten, so bleibt Flüssigkeit, die aufgrund der Durchblutung ins Gewebe kommt, im Gewebe liegen. Es entsteht eine Lymphödem. Nicht jede Schwellung (Ödem) im Gewebe ist ein Lymphödem, sondern nur solche, die durch eine Minderleistung (Insuffizienz) des Lymphgefäßsystems bedingt sind.
Herkömmliche Ödeme können unter anderem bedingt sein aufgrund einer Herzschwäche (cardiales Ödem) oder aufgrund einer Venenschwäche (Phlebödem).

 

Man unterscheidet primäre und sekundäre Lymphödeme.
Die primäre Form ist bedingt durch eine Minder- oder Fehlanlage der Lymphgefäße. Sie betrifft meistens nur ein Bein, gelegentlich auch beide Beine. Manchmal auch einen oder beide Arme. Die primäre Form des Lymphödems ist selten.
Wesentlich häufiger ist das sekundäre Lymphödem, das immer als Folge einer Schädigung von Lymphgefäßen auftritt. Es tritt hauptsächlich nach Operationen, Tumorerkrankungen, Traumatas und Entzündungen der Lymphgefäße auf.

Stadien

Lymphödeme können unterschiedlich stark ausgeprägt sein, sie werden in drei Stadien eingeteilt.


Im ersten Stadium ist die Schwellung noch gering und reversibel. Meistens morgens nach dem Aufstehen ist noch keine Schwellung sichtbar. Sie entwickelt sich erst im Laufe des Tages und bildet sich wieder, bedingt durch das Liegen der Nachtruhe, zurück.
Im Stadium zwei ist die Schwellung schon erheblich stärker ausgeprägt und reduziert sich durch das Liegen in der Nacht nur noch wenig. Nach und nach bilden sich sklerotische Veränderungen in der Haut.
Im dritten Stadium, das auch lymphostatische Elephantiasis genannt wird, besteht eine monströse Schwellung mit erheblichen Veränderungen im betroffenen Gewebe und der Haut.

Therapie

Die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE), zu der auch die Manuelle Lymphdrainage gehört, ist das Mittel der Wahl bei einem Lymphödem. Als Heilpraktiker und Physiotherapeut biete ich diese Therapie an.
Zur Erklärung und Beschreibung der Therapie des Lymphödems lesen Sie bitte unter Manuelle Lymphdrainage und Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE) weiter.

 

Abschließend sei noch erwähnt, dass eine alleinige Therapie des Lymphödems mit entwässernden Medikamenten (Diuretika) die Schwellungsneigung auf Dauer verschlechtert. Ein Lymphödem wird als sogenanntes eiweißreiches Ödem klassifiziert, weil aufgrund der Minderleistung des Lymphsystems auch Eiweiß im Gewebe liegen bleibt. Eiweiß verlässt mit der Durchblutung die Kapillaren und muss über die Lymphgefäße abtransportiert werden (lymphpflichtig).
Werden bei einem Lymphödem Diuretika gegeben, so verringert sich anfänglich tatsächlich das Ödem. Doch bleibt das lymphpflichtige Eiweiß im Gewebe liegen. Eiweiß bindet Wasser und ist osmotisch wirksam. Bleibt immer mehr Eiweiß im Gewebe liegen, so ist der osmotische Sog im Gewebe immer größer. Damit verlässt immer mehr Wasser bei der Durchblutung die Blutbahn und tritt ins Gewebe ein. Das Lymphödem verschlimmert sich.

Zusätzlich verschlechternd wirkt sich die Tatsache aus, dass Eiweiß Wasser als Transportmittel braucht, um im Lymphgefäßsystem abtransportiert zu werden. Wird durch die Diuretika zu viel Wasser entzogen, kann Eiweiß nur noch schlechter aus dem Gewebe abtransportiert werden und bleibt auch in den Lymphgefäßen liegen und verstopft diese. Wenn Eiweiß zu lange im Gewebe oder den Lymphgefäßen liegen bleibt, dann baut sich dieses bindegewebig um, verhärtet sich und haftet den Lymphgefäßen oder dem Gewebe an. Lymphgefäße gehen dadurch kaputt, was die Prognose des Lymphödems verschlechtert. Im Gewebe entstehen durch liegengebliebenes Eiweiß großflächige Verhärtungen (Sklerosierung).

Das cardiale Ödem und das Phlebödem (Erklärung siehe oben), sind sogenannte eiweißarme Ödeme, also keine Lymphödeme. Diese Ödeme sind aufgrund ihres geringen Gehalts an Eiweiß für eine Therapie mit Diuretika besser geeignet.