Das Impingementsyndrom gehört zu den häufigsten Ursachen für Schulterschmerzen. Der Begriff „Impingement“ bedeutet übersetzt „Einklemmung“ oder „Anstoßen“.
Dabei kommt es zu einer Einengung des Raumes unter dem Schulterdach (subakromialer Raum). Betroffen sind vor allem die Sehne des Musculus supraspinatus, Anteile der Rotatorenmanschette und der darunter liegende Schleimbeutel.
Typisch sind Schmerzen beim seitlichen Anheben des Arms, insbesondere zwischen etwa 60 und 120 Grad, sowie Beschwerden bei Überkopfarbeiten oder nachts beim Liegen auf der betroffenen Schulter.
Da das Impingementsyndrom in der Praxis besonders häufig vorkommt und für das Verständnis vieler anderer Schultererkrankungen von zentraler Bedeutung ist, widmen wir ihm im nächsten Kapitel einen ausführlichen Schwerpunkt.
Erkrankungen der Rotatorenmanschette
Die Rotatorenmanschette besteht aus vier Muskeln und ihren Sehnen, die den Oberarmkopf während jeder Bewegung stabilisieren.
Mit zunehmendem Alter oder durch wiederholte Überlastung können Reizungen, Teilrisse oder vollständige Sehnenrisse entstehen.
Je nach Ausmaß der Schädigung reichen die Beschwerden von leichten Schmerzen bis hin zu einer deutlichen Kraftminderung und erheblichen Bewegungseinschränkungen.
Kalkschulter (Tendinosis calcarea)
Bei einer Kalkschulter lagern sich Kalkkristalle in den Sehnen der Rotatorenmanschette ab, meist im Bereich der Supraspinatussehne.
Nicht jede Kalkablagerung verursacht Beschwerden. Kommt es jedoch zu einer entzündlichen Reaktion während der Auflösung dieser Kalkdepots, können plötzlich sehr starke Schulterschmerzen auftreten.
Schleimbeutelentzündung (Bursitis)
Zwischen Schulterdach und Rotatorenmanschette befindet sich ein Schleimbeutel, der als natürliches Gleitlager dient.
Wird dieser Schleimbeutel gereizt oder entzündet, entstehen häufig Schmerzen bei Armbewegungen sowie Druckschmerzen im Bereich der Schulter.
Eine Schleimbeutelentzündung tritt häufig gemeinsam mit einem Impingementsyndrom auf.
Arthrose des Schultergelenks (Omarthrose)
Unter einer Omarthrose versteht man den fortschreitenden Verschleiß des Gelenkknorpels im eigentlichen Schultergelenk.
Typische Beschwerden sind belastungsabhängige Schmerzen, zunehmende Bewegungseinschränkungen sowie gelegentlich Reibegeräusche während der Bewegung.
Im Vergleich zu Knie- oder Hüftarthrose tritt die Omarthrose deutlich seltener auf.
Arthrose des Acromioclaviculargelenks (AC-Gelenksarthrose)
Das Schultereckgelenk gehört zu den am häufigsten von Verschleiß betroffenen Gelenken der Schulter.
Beschwerden treten vor allem bei Überkopfbewegungen sowie beim Überkreuzen des Arms vor dem Körper auf.
Nicht jede im Röntgenbild sichtbare Arthrose verursacht jedoch Schmerzen.
Frozen Shoulder (Adhäsive Kapsulitis)
Die Frozen Shoulder ist eine schmerzhafte Erkrankung der Gelenkkapsel.
Sie entwickelt sich meist schleichend und verläuft typischerweise in mehreren Phasen.
Zunächst stehen starke Schmerzen im Vordergrund. Im weiteren Verlauf kommt es zu einer zunehmenden Einsteifung der Schulter. Erst nach Monaten oder Jahren bessert sich die Beweglichkeit langsam wieder.
Schulterluxation
Bei einer Schulterluxation springt der Oberarmkopf aus der Gelenkpfanne.
Die Schulterluxation ist die häufigste Ausrenkung eines großen Gelenkes beim Menschen.
Sie entsteht meist nach einem Unfall oder einer erheblichen Gewalteinwirkung und erfordert in der Regel eine sofortige ärztliche Behandlung.
Erkrankungen der langen Bizepssehne
Die lange Bizepssehne verläuft durch den vorderen Bereich des Schultergelenkes und ist bei vielen Bewegungen erheblichen Belastungen ausgesetzt.
Reizzustände oder Entzündungen dieser Sehne verursachen häufig Schmerzen an der Vorderseite der Schulter, insbesondere beim Heben oder Tragen von Lasten.
Nicht selten treten Bizepssehnenbeschwerden gemeinsam mit Erkrankungen der Rotatorenmanschette oder einem Impingementsyndrom auf.
Schulterinstabilität
Manche Menschen leiden unter einer angeborenen oder erworbenen Instabilität der Schulter.
Durch eine verminderte Stabilität kann sich der Oberarmkopf bei bestimmten Bewegungen übermäßig verschieben.
Betroffene berichten häufig über ein Unsicherheitsgefühl oder das Gefühl, die Schulter könne „herausspringen“.
Weitere mögliche Ursachen
Neben den häufigen Erkrankungen gibt es zahlreiche weitere Ursachen für Schulterbeschwerden, beispielsweise:
- Verletzungen des Labrums (Bankart- oder SLAP-Läsion)
- Muskelverletzungen
- Erkrankungen der Halswirbelsäule
- Nervenkompressionssyndrome
- entzündlich-rheumatische Erkrankungen
- seltene Tumorerkrankungen oder Infektionen
Diese Ursachen sind insgesamt deutlich seltener, sollten jedoch bei unklaren oder anhaltenden Beschwerden ebenfalls berücksichtigt werden.
Merkkasten
Viele Schultererkrankungen verursachen ähnliche Beschwerden. Schmerzen beim Anheben des Arms oder nächtliche Schulterschmerzen lassen noch keine sichere Diagnose zu. Erst die Kombination aus Anamnese, klinischer Untersuchung und – falls erforderlich – bildgebenden Verfahren ermöglicht eine gezielte Diagnosestellung.
Überleitung zum Schwerpunktkapitel
Bislang haben Sie den anatomischen Aufbau der Schulter, ihre Funktion sowie die häufigsten Ursachen von Schulterbeschwerden kennengelernt.
Nun wenden wir uns der Erkrankung zu, die in der osteopathischen und orthopädischen Praxis besonders häufig vorkommt: dem Impingementsyndrom.
Hier werden wir deutlich tiefer einsteigen als in den bisherigen Kapiteln. Wir erläutern nicht nur, was ein Impingement ist, sondern auch, warum es entsteht, welche biomechanischen Veränderungen eine Rolle spielen, welche Bedeutung Schulterblatt, Brustwirbelsäule und Rotatorenmanschette haben und wie moderne konservative sowie osteopathische Behandlungskonzepte aussehen.
7. Das Impingementsyndrom – die häufigste Ursache von Schulterschmerzen
Das Impingementsyndrom zählt zu den häufigsten Ursachen für Schulterschmerzen. Vor allem Menschen mittleren und höheren Alters, aber auch sportlich aktive Personen und Menschen mit häufigen Überkopfarbeiten sind davon betroffen.
Der Begriff „Impingement“ stammt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie „Anstoßen“, „Anprallen“ oder „Einklemmung“. Gemeint ist damit eine Einengung der Strukturen, die sich unter dem Schulterdach (Acromion) befinden. Betroffen sind insbesondere die Sehnen der Rotatorenmanschette – vor allem die Supraspinatussehne – sowie der darunter liegende Schleimbeutel (Bursa subacromialis).
Diese Strukturen gleiten bei jeder Armbewegung unter dem Schulterdach hindurch. Wird der zur Verfügung stehende Raum zu klein oder verändert sich der normale Bewegungsablauf der Schulter, kann es zu einer mechanischen Reizung kommen. Bleibt diese über längere Zeit bestehen, entstehen Entzündungen, Schmerzen und im weiteren Verlauf unter Umständen auch strukturelle Schäden.
Das Impingementsyndrom ist daher keine einzelne Erkrankung, sondern vielmehr die Folge eines gestörten Zusammenspiels verschiedener anatomischer und funktioneller Faktoren.
Was geschieht beim Impingementsyndrom?
Im gesunden Schultergelenk gleitet der Oberarmkopf während jeder Bewegung harmonisch in der Gelenkpfanne. Gleichzeitig bewegt sich das Schulterblatt auf dem Brustkorb mit, die Rotatorenmanschette stabilisiert den Oberarmkopf und sorgt dafür, dass dieser zentriert bleibt.
Zwischen Oberarmkopf und Schulterdach befindet sich der sogenannte subakromiale Raum. In diesem vergleichsweise engen Bereich verlaufen:
- die Supraspinatussehne,
- Anteile der übrigen Rotatorenmanschette,
- die lange Bizepssehne,
- der Schleimbeutel (Bursa subacromialis).
Normalerweise reicht dieser Raum aus, damit alle Strukturen bei jeder Armbewegung reibungsarm gleiten können.
Kommt es jedoch zu einer Verengung dieses Raumes oder verändert sich die Bewegungsführung des Oberarmkopfes, werden die dort verlaufenden Sehnen und der Schleimbeutel zunehmend belastet.
Anfangs entstehen lediglich Reizzustände.
Später können Entzündungen, Sehnenschäden oder sogar Teil- beziehungsweise Komplettrupturen der Rotatorenmanschette folgen.