Schulterschmerzen – Ursachen, Diagnostik, Behandlung und Osteopathie

Einleitung

Schulterschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden des Bewegungsapparates und können Menschen jeden Alters betreffen. Ob beim Sport, bei körperlicher Arbeit oder im Alltag – die Schulter ist nahezu ständig in Bewegung und dabei hohen Belastungen ausgesetzt. Schmerzen können plötzlich nach einem Unfall auftreten oder sich über Wochen und Monate schleichend entwickeln.

In meiner Praxis als Heilpraktiker und Osteopath in Oberstenfeld behandle ich regelmäßig Patientinnen und Patienten mit akuten und chronischen Schulterbeschwerden aus Oberstenfeld, Stuttgart, Heilbronn, Ludwigsburg, Backnang und der umliegenden Region. Dabei zeigt sich immer wieder, dass Schulterschmerzen häufig nicht auf eine einzelne Ursache zurückzuführen sind. Vielmehr handelt es sich meist um ein Zusammenspiel verschiedener funktioneller und struktureller Faktoren.

Die Schulter ist das beweglichste Gelenksystem des menschlichen Körpers. Ihre enorme Beweglichkeit ermöglicht es uns, den Arm nahezu in jede Richtung zu bewegen – beim Greifen, Heben, Werfen oder Arbeiten über Kopf. Diese Beweglichkeit hat jedoch ihren Preis: Im Vergleich zu anderen Gelenken besitzt die Schulter nur eine geringe knöcherne Stabilität und ist daher in besonderem Maße auf das harmonische Zusammenspiel von Muskeln, Sehnen, Bändern und mehreren Gelenken angewiesen.

Gerät dieses fein abgestimmte Zusammenspiel aus dem Gleichgewicht, können Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und Funktionsstörungen entstehen. Genau hier setzt das Verständnis der funktionellen Anatomie an – und genau deshalb nimmt sie in diesem Ratgeber einen besonderen Stellenwert ein.

Sie erfahren in diesem ausführlichen Ratgeber, wie die Schulter aufgebaut ist und funktioniert, welche Ursachen hinter Schulterschmerzen stecken können, wie häufige Erkrankungen wie das Impingementsyndrom entstehen, welche diagnostischen Möglichkeiten zur Verfügung stehen und welche konservativen sowie osteopathischen Behandlungsansätze infrage kommen. Darüber hinaus erhalten Sie zahlreiche praktische Hinweise, wie Sie Ihre Schulter im Alltag schützen und ihre Beweglichkeit langfristig erhalten können.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Die Schulter ist kein einzelnes Gelenk, sondern ein komplexes Zusammenspiel mehrerer Gelenke und funktioneller Strukturen.
  • Sie besitzt die größte Beweglichkeit aller Gelenksysteme des Körpers, was gleichzeitig ihre Stabilität reduziert.
  • Die Stabilisierung erfolgt überwiegend durch Muskeln, Sehnen und Bänder.
  • Das Impingementsyndrom zählt zu den häufigsten Ursachen von Schulterschmerzen.
  • Viele Schulterbeschwerden entstehen nicht nur im eigentlichen Schultergelenk, sondern durch Störungen des gesamten Schultergürtels.
  • Eine sorgfältige Diagnostik bildet die Grundlage jeder erfolgreichen Behandlung.
  • Die Osteopathie kann – je nach Ursache der Beschwerden – Teil eines ganzheitlichen Behandlungskonzeptes sein.
  • Durch gezielte Übungen, angepasstes Training und eine ergonomische Gestaltung des Alltags lassen sich viele Schulterbeschwerden positiv beeinflussen.

Inhaltsverzeichnis

1. Die Schulter – das beweglichste Gelenksystem des Menschen
2. Anatomie der Schulter
3. Funktionelle Anatomie und Biomechanik
4. Warum ist die Schulter so anfällig für Beschwerden?
5. Ursachen von Schulterschmerzen
6. Häufige Schultererkrankungen
7. Das Impingementsyndrom – die häufigste Ursache von Schulterschmerzen
8. Erkrankungen der Rotatorenmanschette
9. Kalkschulter (Tendinosis calcarea)
10.Schleimbeutelentzündung (Bursitis)
11. Arthrose des Schultergelenks und des AC-Gelenks
12. Schulterluxation und Schulterinstabilität
13. Frozen Shoulder (Adhäsive Kapsulitis)
14. Bizepssehnenbeschwerden
15. Diagnostik bei Schulterschmerzen
16. Konservative Behandlungsmöglichkeiten
17. Osteopathie bei Schulterbeschwerden
18. Was Sie selbst gegen Schulterschmerzen tun können
19. Die 10 häufigsten Irrtümer über Schulterschmerzen
20. Häufig gestellte Fragen (FAQ)
21. Mein Fazit als Heilpraktiker und Osteopath
22. Mein Rat als Heilpraktiker und Osteopath

Die Schulter – das beweglichste Gelenksystem des Menschen

Die Schulter besitzt den größten Bewegungsumfang aller Gelenksysteme des menschlichen Körpers. Sie ermöglicht es uns, den Arm nahezu in jede Richtung zu bewegen – nach vorne, hinten, seitlich, über den Kopf und sogar hinter den Rücken. Diese außergewöhnliche Beweglichkeit bildet die Grundlage für unzählige alltägliche Tätigkeiten wie Anziehen, Heben, Tragen, Arbeiten oder sportliche Aktivitäten.

Gerade diese enorme Beweglichkeit macht die Schulter jedoch besonders anfällig für Beschwerden. Während beispielsweise das Hüftgelenk durch seine knöcherne Form eine hohe Stabilität besitzt, wird die Schulter überwiegend durch Muskeln, Sehnen, Bänder und die Gelenkkapsel gesichert. Nur wenn alle diese Strukturen harmonisch zusammenarbeiten, kann die Schulter ihre Aufgaben schmerzfrei erfüllen.

Viele Menschen sprechen vom „Schultergelenk“, tatsächlich handelt es sich jedoch um einen komplexen Schultergürtel mit mehreren Gelenken und funktionellen Verbindungen.

Das eigentliche Schultergelenk ist nur ein Bestandteil dieses Systems. Ebenso wichtig sind das Schultereckgelenk (Acromioclaviculargelenk), das Sternoklavikulargelenk zwischen Schlüsselbein und Brustbein sowie das funktionelle Gleitlager des Schulterblattes auf dem Brustkorb.

Schon geringe Störungen innerhalb dieses fein abgestimmten Zusammenspiels können die Bewegungsabläufe verändern. Dies kann dazu führen, dass Muskeln überlastet werden, Sehnen eingeengt werden oder bestimmte Gelenke übermäßig belastet werden. Viele Schultererkrankungen entstehen daher nicht isoliert an einer einzelnen Struktur, sondern entwickeln sich aus einer Kombination verschiedener funktioneller Veränderungen.

Genau deshalb ist das Verständnis der Anatomie und der Bewegungsabläufe der Schulter so wichtig. Wer weiß, wie die Schulter aufgebaut ist und funktioniert, versteht auch besser, warum Beschwerden entstehen und welche Behandlungsmöglichkeiten sinnvoll sein können.

 

Merke

Die Schulter ist kein einzelnes Gelenk, sondern ein komplexes Zusammenspiel mehrerer Gelenke, Muskeln, Sehnen und Bänder. Ihre außergewöhnliche Beweglichkeit ist nur möglich, wenn alle Bestandteile des Schulterkomplexes präzise zusammenarbeiten.

 

Anatomie der Schulter                      

Um Schulterbeschwerden richtig verstehen zu können, lohnt sich zunächst ein Blick auf den anatomischen Aufbau. Die Schulter gehört zu den komplexesten Regionen des menschlichen Bewegungsapparates. Anders als häufig angenommen besteht sie nicht nur aus einem einzelnen Gelenk, sondern aus mehreren Gelenken und zahlreichen Weichteilstrukturen, die eng miteinander zusammenarbeiten.

Zu diesem Schulterkomplex gehören Knochen, Gelenke, Muskeln, Sehnen, Bänder, Schleimbeutel sowie Nerven und Blutgefäße. Erst das harmonische Zusammenspiel all dieser Strukturen ermöglicht die außergewöhnliche Beweglichkeit des Arms.

Die Knochen des Schultergürtels

Vier Knochen bilden die Grundlage des Schulterkomplexes:

Der Oberarmknochen (Humerus)

Der Oberarmknochen bildet gemeinsam mit der Gelenkpfanne des Schulterblattes das eigentliche Schultergelenk. Sein kugelförmiger Gelenkkopf ist deutlich größer als die relativ kleine Gelenkpfanne. Diese anatomische Besonderheit ermöglicht einen großen Bewegungsumfang, führt aber gleichzeitig zu einer geringeren knöchernen Stabilität.

Das Schulterblatt (Scapula)

Das Schulterblatt liegt auf der Rückseite des Brustkorbs und bildet die knöcherne Verbindung zwischen Arm und Rumpf. Es besitzt mehrere wichtige knöcherne Fortsätze, darunter das Schulterdach (Acromion) und den Rabenschnabelfortsatz (Processus coracoideus). Beide spielen bei vielen Schultererkrankungen, insbesondere beim Impingementsyndrom, eine wichtige Rolle.

Das Schlüsselbein (Clavicula)

Das Schlüsselbein verbindet den Schultergürtel mit dem Brustkorb. Es stabilisiert die Schulter und sorgt dafür, dass der Arm ausreichend Abstand zum Rumpf erhält. Gleichzeitig überträgt es Kräfte zwischen Arm und Brustkorb.

Das Brustbein (Sternum)

Das Brustbein ist indirekt an der Schulterfunktion beteiligt. Über das Sternoklavikulargelenk stellt es die einzige knöcherne Verbindung des gesamten Schultergürtels mit dem Rumpfskelett dar.

 

Merke

Die knöcherne Stabilität der Schulter ist vergleichsweise gering. Die eigentliche Stabilität entsteht vor allem durch Muskeln, Sehnen, Bänder und eine koordinierte Bewegungssteuerung.

 

Die vier Gelenke der Schulter

Obwohl im Alltag meist vom „Schultergelenk“ gesprochen wird, setzt sich die Schulter tatsächlich aus mehreren Gelenken und einer funktionellen Gleitfläche zusammen. Erst das präzise Zusammenspiel dieser Strukturen ermöglicht die enorme Beweglichkeit des Arms. Fällt eines dieser Teilsysteme aus oder ist seine Beweglichkeit eingeschränkt, kann dies den gesamten Bewegungsablauf der Schulter beeinflussen und Beschwerden verursachen.

Das Glenohumeralgelenk – das eigentliche Schultergelenk

Siehe Bild grüner Pfeil.

Das Glenohumeralgelenk ist das Gelenk, das die meisten Menschen als Schultergelenk kennen. Es wird vom kugelförmigen Oberarmkopf (Caput humeri) und der relativ kleinen Gelenkpfanne des Schulterblattes (Cavitas glenoidalis) gebildet.

Die Gelenkpfanne ist deutlich kleiner als der Oberarmkopf und umfasst ihn nur teilweise. Dadurch besitzt das Schultergelenk einen außergewöhnlich großen Bewegungsumfang. Der Arm kann angehoben, abgespreizt, nach vorne und hinten geführt sowie nach innen und außen gedreht werden.

Der Nachteil dieser Konstruktion besteht darin, dass die knöcherne Stabilität vergleichsweise gering ist. Während beispielsweise das Hüftgelenk durch eine tiefe Gelenkpfanne bereits sehr stabil geführt wird, übernimmt diese Aufgabe an der Schulter überwiegend die umgebende Muskulatur, insbesondere die Rotatorenmanschette.

Zusätzlich sorgen die Gelenkkapsel, verschiedene Bänder sowie die Gelenklippe (Labrum glenoidale) für eine weitere Stabilisierung des Gelenkes.

Das Acromioclaviculargelenk (AC-Gelenk)

Sie Bild roter Pfeil

Das Acromioclaviculargelenk verbindet das Schulterblatt mit dem Schlüsselbein. Es wird auch Schultereckgelenk genannt.

Auf den ersten Blick erscheint dieses Gelenk relativ klein und unscheinbar. Tatsächlich übernimmt es jedoch eine wichtige Aufgabe bei nahezu jeder Armbewegung. Es ermöglicht feine Anpassungsbewegungen zwischen Schulterblatt und Schlüsselbein und trägt dadurch wesentlich dazu bei, dass der Arm über den Kopf gehoben werden kann.

Mit zunehmendem Lebensalter können im AC-Gelenk Verschleißerscheinungen auftreten. Eine Arthrose dieses Gelenkes zählt zu den häufigsten degenerativen Veränderungen der Schulter und kann Schmerzen insbesondere bei Überkopfbewegungen verursachen.

Auch nach Stürzen auf die Schulter kann es zu einer Verletzung des AC-Gelenkes kommen. Umgangssprachlich spricht man häufig von einer Schultereckgelenkssprengung.

 

Das Sternoklavikulargelenk

Das Sternoklavikulargelenk verbindet das innere Ende des Schlüsselbeins mit dem Brustbein.

Obwohl dieses Gelenk relativ klein ist, besitzt es eine besondere Bedeutung: Es stellt die einzige knöcherne Verbindung des gesamten Schultergürtels mit dem Rumpf dar. Sämtliche Kräfte, die beim Tragen, Heben oder Werfen entstehen, werden über das Schlüsselbein auf dieses Gelenk übertragen.

Während einer Armhebung bewegt sich nicht nur das Schulterblatt, sondern auch das Schlüsselbein. Dadurch kann der Bewegungsumfang der Schulter erheblich vergrößert werden.

Funktionsstörungen dieses Gelenkes sind vergleichsweise selten, können jedoch ebenfalls zu Schulterbeschwerden beitragen.

 

Das scapulothorakale Gleitlager

Streng anatomisch handelt es sich hierbei nicht um ein echtes Gelenk, sondern um eine funktionelle Gleitfläche zwischen Schulterblatt und Brustkorb.

Das Schulterblatt liegt nicht fest mit dem Brustkorb verbunden auf den Rippen auf, sondern gleitet bei jeder Armbewegung über die Rückseite des Brustkorbs. Ermöglicht wird dies durch ein fein abgestimmtes Zusammenspiel verschiedener Muskeln.

Gerade diese Beweglichkeit des Schulterblattes ist für eine normale Schulterfunktion von entscheidender Bedeutung. Bereits geringe Einschränkungen können den gesamten Bewegungsablauf verändern.

In der Osteopathie spielt das scapulothorakale Gleitlager deshalb eine wichtige Rolle. Bewegungseinschränkungen der Brustwirbelsäule, der Rippen oder muskuläre Spannungen können die Beweglichkeit des Schulterblattes beeinflussen und dadurch indirekt Schulterbeschwerden begünstigen.

 

Merke

Für eine schmerzfreie Schulterfunktion müssen sich alle vier Bestandteile des Schulterkomplexes harmonisch bewegen. Schmerzen entstehen häufig nicht an einem einzelnen Gelenk, sondern durch Störungen des Zusammenspiels mehrerer Strukturen.

 

Die Gelenklippe (Labrum glenoidale) – ein wichtiger Stabilisator

Eine Besonderheit des Schultergelenks ist die geringe Größe seiner Gelenkpfanne. Um die knöcherne Führung zu verbessern, besitzt die Gelenkpfanne einen ringförmigen Faserknorpel, das sogenannte Labrum glenoidale.

Diese Gelenklippe vergrößert die Gelenkpfanne, verbessert die Stabilität und trägt dazu bei, dass der Oberarmkopf sicher geführt wird.

Darüber hinaus dient das Labrum als Ansatz für die Gelenkkapsel sowie für die lange Bizepssehne.

Kommt es beispielsweise nach einem Schulterausrenken zu einer Verletzung der Gelenklippe (Bankart-Läsion) oder im Bereich des oberen Labrumansatzes (SLAP-Läsion), kann dies zu Instabilität, Schmerzen oder wiederkehrenden Schulterluxationen führen.

Für Patienten ist wichtig zu wissen, dass solche Verletzungen häufig nicht auf einem normalen Röntgenbild erkennbar sind. Gegebenenfalls sind spezielle bildgebende Verfahren wie eine Magnetresonanztomographie (MRT) erforderlich.

 

Funktionelle Anatomie und Biomechanik der Schulter

Die Anatomie beschreibt den Aufbau der Schulter. Mindestens ebenso wichtig ist jedoch die funktionelle Anatomie – also die Frage, wie sich die einzelnen Bestandteile der Schulter während einer Bewegung gegenseitig beeinflussen.

Denn die Schulter funktioniert nicht als einzelnes Gelenk. Vielmehr bewegen sich bei jeder Armbewegung mehrere Gelenke gleichzeitig. Erst das exakt abgestimmte Zusammenspiel aller Strukturen ermöglicht eine schmerzfreie und kraftvolle Bewegung.

Bereits geringe Störungen dieser Bewegungskoordination können dazu führen, dass einzelne Sehnen oder Schleimbeutel überlastet werden oder der Oberarmkopf seine optimale Position verliert. Viele Schulterbeschwerden entstehen deshalb nicht allein durch einen Verschleiß oder eine Verletzung, sondern durch Veränderungen der normalen Bewegungsabläufe.

 

Die Schulter arbeitet als funktionelle Einheit

Heben Sie Ihren Arm langsam über den Kopf.

Viele Menschen glauben, dass sich dabei lediglich der Oberarm im Schultergelenk bewegt. Tatsächlich ist dieser Bewegungsablauf wesentlich komplexer.

An der Armhebung sind gleichzeitig beteiligt:

  • das Glenohumeralgelenk
  • das Schulterblatt
  • das Schlüsselbein
  • das Acromioclaviculargelenk
  • das Sternoklavikulargelenk
  • die Brustwirbelsäule
  • die Rippen
  • zahlreiche Muskeln des Schultergürtels

Die Schulter arbeitet somit als funktionelle Einheit. Fällt eine dieser Komponenten in ihrer Beweglichkeit oder Koordination aus, müssen andere Strukturen die fehlende Bewegung ausgleichen. Langfristig kann dies zu Fehlbelastungen und Schmerzen führen.

 

Merke

Schulterschmerzen entstehen häufig nicht dort, wo sie gespürt werden. Ursache der Beschwerden kann auch eine Funktionsstörung einer benachbarten Struktur sein.

 

Der scapulohumerale Rhythmus

Ein zentrales Prinzip der Schulterfunktion ist der sogenannte scapulohumerale Rhythmus.

Dieser beschreibt das koordinierte Zusammenspiel zwischen Oberarm und Schulterblatt während der Armhebung.

Zu Beginn der Bewegung bewegt sich der Oberarm überwiegend im Glenohumeralgelenk. Mit zunehmender Armhebung beginnt sich auch das Schulterblatt auf dem Brustkorb nach oben und außen zu drehen.

Vereinfacht kann man sich vorstellen, dass Oberarm und Schulterblatt wie zwei gut eingespielte Partner zusammenarbeiten. Würde sich ausschließlich der Oberarm bewegen, wäre eine vollständige Armhebung kaum möglich.

Erst die gleichzeitige Bewegung des Schulterblattes schafft den notwendigen Platz unter dem Schulterdach und ermöglicht einen harmonischen Bewegungsablauf.

 

Praxisbeispiel

Stellen Sie sich vor, Sie möchten einen Gegenstand aus einem hohen Regal nehmen.

Während Ihr Oberarm angehoben wird, bewegt sich gleichzeitig das Schulterblatt nach oben und dreht sich leicht nach außen. Auch das Schlüsselbein hebt und dreht sich mit. Gleichzeitig richtet sich die Brustwirbelsäule etwas auf.

Erst durch dieses perfekte Zusammenspiel können Sie Ihren Arm vollständig über den Kopf heben.

 

Die Rotatorenmanschette – der dynamische Stabilisator der Schulter

Eine besondere Bedeutung kommt der Rotatorenmanschette zu.

Sie besteht aus vier Muskeln:

  • Musculus supraspinatus
  • Musculus infraspinatus
  • Musculus teres minor
  • Musculus subscapularis

Diese Muskeln haben nicht nur die Aufgabe, den Arm zu bewegen.

Ihre wichtigste Funktion besteht darin, den Oberarmkopf während jeder Bewegung exakt in der Gelenkpfanne zu zentrieren.

Man kann sich den Oberarmkopf wie eine Kugel vorstellen, die bei jeder Bewegung möglichst mittig in der Gelenkpfanne gehalten werden muss.

Genau diese Zentrierung übernimmt die Rotatorenmanschette.

Arbeitet sie nicht optimal – beispielsweise durch Überlastung, Schmerzen oder muskuläre Dysbalancen –, kann der Oberarmkopf leicht nach oben ausweichen. Dadurch wird der Raum unter dem Schulterdach kleiner und empfindliche Strukturen können eingeengt werden.

Genau dieser Mechanismus spielt beim Impingementsyndrom eine entscheidende Rolle.

 

Merke

Die Rotatorenmanschette bewegt den Arm nicht nur – sie stabilisiert den Oberarmkopf während jeder einzelnen Bewegung.

Die Rolle des Schulterblattes

Das Schulterblatt übernimmt eine Schlüsselrolle innerhalb des gesamten Schulterkomplexes.

Es bildet gewissermaßen die bewegliche Grundlage, auf der das Schultergelenk arbeitet.

Damit die Schulter schmerzfrei funktioniert, muss das Schulterblatt:

  • frei auf dem Brustkorb gleiten,
  • sich nach oben drehen,
  • nach außen rotieren,
  • sich leicht anheben und absenken,
  • sich dem Brustkorb eng anlegen.

Bereits kleine Veränderungen dieser Bewegungsabläufe können die Stellung des Schulterdaches verändern.

Dadurch kann der Raum unter dem Acromion kleiner werden und das Risiko für ein Impingement steigen.

In der Fachliteratur spricht man bei gestörten Bewegungsmustern des Schulterblattes von einer Scapuladyskinesie.

Die Bedeutung der Brustwirbelsäule

Ein Aspekt wird häufig unterschätzt:

Die Beweglichkeit der Brustwirbelsäule beeinflusst die Schulterfunktion erheblich.

Ist die Brustwirbelsäule durch langes Sitzen, Fehlhaltungen oder altersbedingte Veränderungen weniger beweglich, verändert sich häufig auch die Haltung des Schultergürtels.

Die Schultern fallen nach vorne.

Das Schulterblatt kippt.

Der Raum unter dem Schulterdach wird kleiner.

Die Folge können Schmerzen bei Überkopfbewegungen sein.

Aus diesem Grund beschränkt sich eine ganzheitliche Untersuchung der Schulter häufig nicht ausschließlich auf das Schultergelenk selbst.

 

Die Rolle der Rippen

Auch die Rippen tragen wesentlich zur normalen Schulterfunktion bei.

Das Schulterblatt gleitet direkt auf dem Brustkorb. Verändern sich die Beweglichkeit der Rippen oder die Elastizität der zwischen ihnen liegenden Muskulatur, kann dies das Gleitverhalten des Schulterblattes beeinflussen.

Vor allem die oberen Rippen wirken sich auf die Beweglichkeit des Schultergürtels aus.

Deshalb werden sie bei einer osteopathischen Untersuchung häufig mit beurteilt.

 

Warum dieses Zusammenspiel so wichtig ist

Man kann die Schulter mit einem präzise abgestimmten Uhrwerk vergleichen.

Nicht ein einzelnes Zahnrad entscheidet über die Funktion, sondern das harmonische Zusammenspiel aller Bestandteile.

Ist nur eine Struktur in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt oder arbeitet zeitlich nicht optimal mit den übrigen Komponenten zusammen, verändert sich der gesamte Bewegungsablauf.

Zunächst versucht der Körper diese Veränderungen auszugleichen. Gelingt dies über längere Zeit nicht, können Schmerzen, Sehnenreizungen, Schleimbeutelentzzündungen oder ein Impingementsyndrom entstehen.

Genau deshalb betrachtet die moderne Medizin – und insbesondere auch die Osteopathie – die Schulter nicht isoliert, sondern als Teil eines funktionellen Gesamtsystems.

 

Merkkasten: Warum dieses Kapitel so wichtig ist

Bevor wir über Erkrankungen wie das Impingementsyndrom, eine Kalkschulter oder eine Rotatorenmanschettenverletzung sprechen, ist es entscheidend zu verstehen, wie die Schulter im gesunden Zustand funktioniert. Viele Schulterbeschwerden entstehen nicht durch eine einzelne geschädigte Struktur, sondern durch Veränderungen des fein abgestimmten Zusammenspiels des gesamten Schulterkomplexes. Dieses Verständnis bildet die Grundlage für Diagnostik, Behandlung und auch für die osteopathische Betrachtungsweise.

Warum ist die Schulter so anfällig für Beschwerden?

Die Schulter zählt zu den am häufigsten von Schmerzen betroffenen Gelenksystemen des menschlichen Körpers. Schätzungen zufolge leiden bis zu 30 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal im Leben unter Schulterbeschwerden. Mit zunehmendem Lebensalter nimmt die Häufigkeit weiter zu.

Die Ursachen hierfür liegen vor allem im besonderen Aufbau und in der außergewöhnlichen Funktion der Schulter.

Während andere Gelenke – beispielsweise Hüfte oder Knie – einen großen Teil ihrer Stabilität durch die knöcherne Form erhalten, ist die Schulter überwiegend auf Muskeln, Sehnen, Bänder und eine präzise neuromuskuläre Steuerung angewiesen. Dadurch besitzt sie zwar einen enormen Bewegungsumfang, reagiert jedoch auch empfindlicher auf Störungen.

Bereits kleine Veränderungen im Bewegungsablauf können langfristig zu einer Überlastung einzelner Strukturen führen.

Die große Beweglichkeit als Vorteil und Risiko

Kaum ein anderes Gelenksystem erlaubt so vielfältige Bewegungen wie die Schulter.

Wir können den Arm:

  • nach vorne heben,
  • nach hinten führen,
  • seitlich anheben,
  • über den Kopf strecken,
  • nach innen drehen,
  • nach außen drehen,
  • hinter den Rücken führen.

Diese enorme Beweglichkeit ermöglicht viele Tätigkeiten des täglichen Lebens und zahlreiche sportliche Aktivitäten.

Gleichzeitig bedeutet sie jedoch, dass die Schulter deutlich weniger knöcherne Führung besitzt als andere Gelenke.

Je größer die Beweglichkeit eines Gelenks ist, desto höher sind auch die Anforderungen an seine muskuläre Stabilisierung.

 

Merke

Die außergewöhnliche Beweglichkeit der Schulter ist ihre größte Stärke – gleichzeitig aber auch ihre größte Schwachstelle.

 

Hohe Belastungen im Alltag

Die Schulter wird nahezu ständig beansprucht.

Selbst einfache Alltagstätigkeiten wie

  • Haare kämmen,
  • Jacke anziehen,
  • Einkäufe tragen,
  • Fenster putzen,
  • Arbeiten am Computer,
  • Gartenarbeit

erfordern ein fein abgestimmtes Zusammenspiel zahlreicher Muskeln und Gelenke.

Besonders belastend sind Tätigkeiten mit erhobenen Armen.

Hierbei verkleinert sich der Raum unter dem Schulterdach physiologisch. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die Rotatorenmanschette erheblich.

Werden solche Bewegungen häufig wiederholt oder unter hoher Belastung ausgeführt, kann es zu Überlastungsreaktionen kommen.

 

Berufliche Belastungen

Bestimmte Berufsgruppen entwickeln häufiger Schulterbeschwerden.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Handwerker,
  • Maler,
  • Elektriker,
  • Schreiner,
  • Pflegekräfte,
  • Friseure,
  • Zahnärzte,
  • Büroangestellte mit überwiegend sitzender Tätigkeit.

Während bei körperlich arbeitenden Menschen häufig Überkopfarbeiten oder schweres Heben eine Rolle spielen, führen bei Büroangestellten oftmals langes Sitzen, eine nach vorne geneigte Kopfhaltung und Bewegungsmangel zu funktionellen Veränderungen des Schultergürtels.

Sportliche Belastungen

Auch zahlreiche Sportarten stellen hohe Anforderungen an die Schulter.

Besonders häufig treten Schulterbeschwerden auf bei:

  • Tennis,
  • Volleyball,
  • Handball,
  • Schwimmen,
  • Klettern,
  • Krafttraining,
  • Golf,
  • Baseball.

Insbesondere wiederholte Überkopfbewegungen können die Sehnen der Rotatorenmanschette stark beanspruchen.

Deshalb spricht man bei vielen dieser Sportarten auch von sogenannten Überkopfsportarten.

 

Alterungsprozesse

Mit zunehmendem Lebensalter verändern sich auch die Strukturen der Schulter.

Sehnen verlieren einen Teil ihrer Elastizität.

Die Durchblutung nimmt teilweise ab.

Knorpel nutzt sich langsam ab.

Die Regenerationsfähigkeit des Gewebes wird geringer.

Dadurch können bereits alltägliche Belastungen Beschwerden verursachen, die in jüngeren Jahren problemlos toleriert wurden.

Wichtig ist jedoch zu wissen, dass altersbedingte Veränderungen nicht zwangsläufig Beschwerden verursachen müssen. Viele Menschen weisen im MRT Verschleißerscheinungen auf, ohne Schmerzen zu haben.

Deshalb sollten bildgebende Befunde immer gemeinsam mit den Beschwerden und den Untersuchungsergebnissen beurteilt werden.

 

Merkkasten

Nicht jede im MRT sichtbare Veränderung ist automatisch die Ursache der Schmerzen. Entscheidend ist immer das Zusammenspiel aus Beschwerden, klinischer Untersuchung und bildgebender Diagnostik.

 

Muskelungleichgewichte

Ein weiterer häufiger Grund für Schulterbeschwerden sind muskuläre Dysbalancen.

Durch langes Sitzen, einseitige Belastungen oder mangelnde Bewegung verkürzen sich häufig bestimmte Muskelgruppen, während andere Muskeln an Kraft verlieren.

Typische Veränderungen sind:

  • verkürzte Brustmuskulatur,
  • abgeschwächte Schulterblattstabilisatoren,
  • verminderte Aktivität der Rotatorenmanschette,
  • verspannte Nackenmuskulatur.

Diese Veränderungen können die Stellung des Schulterblattes beeinflussen und den normalen Bewegungsablauf der Schulter verändern.

 

Haltung und Brustwirbelsäule

Eine aufrechte Körperhaltung ist eine wichtige Voraussetzung für eine gesunde Schulterfunktion.

Viele Menschen verbringen heute einen großen Teil ihres Tages sitzend vor dem Computer oder mit Blick auf Smartphone und Tablet.

Dabei entstehen häufig:

  • eine verstärkte Brustwirbelsäulenkyphose,
  • nach vorne fallende Schultern,
  • ein nach vorne verlagerter Kopf,
  • eine eingeschränkte Beweglichkeit der Brustwirbelsäule.

Diese Veränderungen wirken sich unmittelbar auf die Stellung des Schulterblattes aus und können den Raum unter dem Schulterdach verkleinern.

In der Folge steigt das Risiko für Sehnenreizungen oder ein Impingementsyndrom.

 

Funktionelle Ursachen

Nicht jede Schulterbeschwerde beruht auf einer strukturellen Schädigung.

Häufig liegen funktionelle Veränderungen vor.

Hierzu zählen beispielsweise:

  • eingeschränkte Beweglichkeit der Brustwirbelsäule,
  • Bewegungseinschränkungen einzelner Rippen,
  • verminderte Beweglichkeit des Schulterblattes,
  • muskuläre Verspannungen,
  • gestörte Bewegungskoordination,
  • veränderte Belastungsmuster.

Diese funktionellen Veränderungen können lange bestehen, bevor im MRT oder Röntgenbild überhaupt Veränderungen sichtbar werden.

Gerade hier setzt die ganzheitliche Betrachtungsweise der Osteopathie an. Ziel ist es, solche funktionellen Zusammenhänge im gesamten Schultergürtel zu erkennen und – je nach individueller Situation – in die Behandlung einzubeziehen.

 

Zusammenfassung

Schulterbeschwerden entstehen selten durch nur eine einzige Ursache. Meist wirken verschiedene Faktoren zusammen: anatomische Besonderheiten, altersbedingte Veränderungen, berufliche oder sportliche Belastungen, muskuläre Dysbalancen sowie funktionelle Einschränkungen. Je besser diese Zusammenhänge verstanden werden, desto gezielter lassen sich Diagnostik und Behandlung planen.

 

Ursachen von Schulterschmerzen

Schulterschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden des Bewegungsapparates. Sie können plötzlich nach einem Unfall auftreten oder sich langsam über Wochen und Monate entwickeln. Ebenso vielfältig wie die Beschwerden selbst sind auch ihre Ursachen.

Nicht jede schmerzende Schulter ist verschlissen, und nicht jede im MRT sichtbare Veränderung erklärt automatisch die Beschwerden. Häufig wirken mehrere Faktoren gleichzeitig zusammen. Daher ist eine sorgfältige Diagnostik die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung.

Grundsätzlich lassen sich die Ursachen von Schulterschmerzen in verschiedene Gruppen einteilen.

Akute Verletzungen

Akute Schulterbeschwerden entstehen häufig infolge eines Unfalls oder einer plötzlichen Überlastung.

Typische Ursachen sind:

  • Sturz auf die Schulter
  • Sturz auf den ausgestreckten Arm
  • Sportverletzungen
  • Verkehrsunfälle
  • schwere Hebebelastungen

Dabei können unter anderem folgende Verletzungen auftreten:

  • Schulterluxation
  • Schultereckgelenkssprengung (AC-Gelenksprengung)
  • Sehnenverletzungen der Rotatorenmanschette
  • Muskelverletzungen
  • Knochenbrüche des Oberarmkopfes, Schlüsselbeins oder Schulterblattes

Verschleißbedingte Veränderungen

Mit zunehmendem Lebensalter unterliegen auch die Strukturen der Schulter natürlichen Alterungsprozessen.

Hierzu gehören beispielsweise:

  • Knorpelverschleiß
  • Veränderungen der Rotatorenmanschette
  • Sehnenverschleiß
  • Arthrose des AC-Gelenks
  • Arthrose des Schultergelenks (Omarthrose)

Solche Veränderungen entwickeln sich meist über viele Jahre.

Wichtig ist jedoch: Viele dieser Veränderungen verursachen zunächst keinerlei Beschwerden und werden oft zufällig bei einer bildgebenden Untersuchung entdeckt.

Erst wenn zusätzlich eine Überlastung oder funktionelle Störung hinzukommt, können Schmerzen entstehen.

 

Merke

Verschleiß bedeutet nicht automatisch Schmerz. Viele Menschen weisen altersbedingte Veränderungen der Schulter auf, ohne Beschwerden zu haben.

 

Überlastungsschäden

Die Schulter ist besonders anfällig für wiederkehrende Belastungen.

Immer gleiche Bewegungen über einen langen Zeitraum können zu einer Reizung von Sehnen, Schleimbeuteln oder Muskeln führen.

Typische Beispiele sind:

  • häufige Überkopfarbeiten
  • intensive Wurfsportarten
  • Krafttraining mit ungünstiger Technik
  • dauerhaftes Arbeiten über Schulterhöhe
  • monotone berufliche Bewegungsabläufe

Zu den häufigsten Überlastungserkrankungen zählen:

  • Impingementsyndrom
  • Tendinopathien der Rotatorenmanschette
  • Schleimbeutelentzündungen
  • Reizungen der langen Bizepssehne

 

Entzündliche Erkrankungen

Auch entzündliche Prozesse können Schulterschmerzen verursachen.

Hierzu zählen unter anderem:

  • Schleimbeutelentzündung (Bursitis)
  • Sehnenentzündungen
  • rheumatische Erkrankungen
  • entzündliche Gelenkerkrankungen

Entzündungen gehen häufig mit Schmerzen in Ruhe, nächtlichen Beschwerden sowie einer deutlichen Bewegungseinschränkung einher.

 

Funktionelle Ursachen

Nicht immer lässt sich eine eindeutige strukturelle Schädigung nachweisen.

Gerade bei länger bestehenden Schulterbeschwerden spielen funktionelle Veränderungen häufig eine entscheidende Rolle.

Hierzu gehören beispielsweise:

  • gestörte Bewegungskoordination
  • muskuläre Dysbalancen
  • eingeschränkte Beweglichkeit des Schulterblattes
  • verminderte Beweglichkeit der Brustwirbelsäule
  • Bewegungseinschränkungen der Rippen
  • verkürzte Brustmuskulatur
  • Fehlhaltungen

Diese Veränderungen beeinflussen die Biomechanik der Schulter und können langfristig zur Überlastung einzelner Strukturen führen.

 

Ausstrahlende Schmerzen

Nicht jede schmerzende Schulter hat ihre Ursache tatsächlich in der Schulter.

Schmerzen können auch aus anderen Körperregionen in die Schulter ausstrahlen.

Hierzu zählen beispielsweise:

  • Erkrankungen der Halswirbelsäule
  • Nervenwurzelreizungen
  • Muskelverspannungen im Nacken-Schulter-Bereich
  • Erkrankungen der Brustwirbelsäule

In seltenen Fällen können sogar Erkrankungen innerer Organe Schmerzen in der Schulter verursachen. Beispiele hierfür sind bestimmte Erkrankungen der Gallenblase, des Zwerchfells oder – insbesondere bei plötzlich auftretenden Schmerzen der linken Schulter in Verbindung mit Brustschmerzen oder Atemnot – akute Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Solche Beschwerden sollten umgehend ärztlich abgeklärt werden.

 

Psychosoziale Einflussfaktoren

Bei chronischen Schulterbeschwerden können neben den körperlichen Ursachen auch psychosoziale Faktoren eine Rolle spielen.

Anhaltender Stress, Schlafmangel, berufliche Belastungen oder chronische Schmerzen können die Schmerzverarbeitung beeinflussen und dazu beitragen, dass Beschwerden länger bestehen bleiben.

Dies bedeutet jedoch keinesfalls, dass die Schmerzen „eingebildet“ sind. Vielmehr zeigt die moderne Schmerzforschung, dass körperliche, psychische und soziale Faktoren häufig gemeinsam auf das Schmerzempfinden einwirken.

 

Warum die Ursachen häufig kombiniert auftreten

In der Praxis zeigt sich nur selten eine einzige Ursache für Schulterbeschwerden.

Häufig kommen mehrere Faktoren zusammen.

Ein typisches Beispiel:

Ein Patient arbeitet überwiegend am Computer. Durch langes Sitzen entwickelt sich eine nach vorne geneigte Haltung mit eingeschränkter Beweglichkeit der Brustwirbelsäule. Gleichzeitig nimmt die Kraft der Schulterblattmuskulatur ab. Beginnt der Betroffene nun zusätzlich mit intensivem Überkopftraining im Fitnessstudio, kann die Schulter den erhöhten Belastungen nicht mehr optimal begegnen. Es entstehen Reizzustände der Rotatorenmanschette und schließlich ein Impingementsyndrom.

Dieses Beispiel verdeutlicht, dass Schulterschmerzen häufig das Ergebnis mehrerer zusammenwirkender Einflüsse sind und nicht allein durch eine einzelne geschädigte Struktur erklärt werden können.

 

Merkkasten

Schulterschmerzen sind meist multifaktoriell. Eine erfolgreiche Behandlung setzt deshalb voraus, nicht nur den Ort des Schmerzes zu betrachten, sondern die zugrunde liegenden Ursachen und das funktionelle Zusammenspiel des gesamten Schulterkomplexes zu verstehen.

Häufige Schultererkrankungen im Überblick

Die Schulter kann von einer Vielzahl unterschiedlicher Erkrankungen betroffen sein. Manche entstehen nach einem Unfall, andere entwickeln sich schleichend durch Überlastung, altersbedingte Veränderungen oder funktionelle Störungen.

Da sich viele Schultererkrankungen hinsichtlich ihrer Beschwerden ähneln, ist eine sorgfältige Diagnostik besonders wichtig. Schmerzen beim Anheben des Arms, nächtliche Beschwerden oder Bewegungseinschränkungen können bei verschiedenen Erkrankungen auftreten und erlauben allein noch keine eindeutige Diagnose.

Im Folgenden erhalten Sie einen Überblick über die häufigsten Erkrankungen der Schulter. Die wichtigsten Krankheitsbilder werden in den folgenden Kapiteln ausführlich beschrieben.

 

Impingementsyndrom

Das Impingementsyndrom gehört zu den häufigsten Ursachen für Schulterschmerzen. Der Begriff „Impingement“ bedeutet übersetzt „Einklemmung“ oder „Anstoßen“.

Dabei kommt es zu einer Einengung des Raumes unter dem Schulterdach (subakromialer Raum). Betroffen sind vor allem die Sehne des Musculus supraspinatus, Anteile der Rotatorenmanschette und der darunter liegende Schleimbeutel.

Typisch sind Schmerzen beim seitlichen Anheben des Arms, insbesondere zwischen etwa 60 und 120 Grad, sowie Beschwerden bei Überkopfarbeiten oder nachts beim Liegen auf der betroffenen Schulter.

Da das Impingementsyndrom in der Praxis besonders häufig vorkommt und für das Verständnis vieler anderer Schultererkrankungen von zentraler Bedeutung ist, widmen wir ihm im nächsten Kapitel einen ausführlichen Schwerpunkt.

 

Erkrankungen der Rotatorenmanschette

Die Rotatorenmanschette besteht aus vier Muskeln und ihren Sehnen, die den Oberarmkopf während jeder Bewegung stabilisieren.

Mit zunehmendem Alter oder durch wiederholte Überlastung können Reizungen, Teilrisse oder vollständige Sehnenrisse entstehen.

Je nach Ausmaß der Schädigung reichen die Beschwerden von leichten Schmerzen bis hin zu einer deutlichen Kraftminderung und erheblichen Bewegungseinschränkungen.

 

Kalkschulter (Tendinosis calcarea)

Bei einer Kalkschulter lagern sich Kalkkristalle in den Sehnen der Rotatorenmanschette ab, meist im Bereich der Supraspinatussehne.

Nicht jede Kalkablagerung verursacht Beschwerden. Kommt es jedoch zu einer entzündlichen Reaktion während der Auflösung dieser Kalkdepots, können plötzlich sehr starke Schulterschmerzen auftreten.

 

Schleimbeutelentzündung (Bursitis)

Zwischen Schulterdach und Rotatorenmanschette befindet sich ein Schleimbeutel, der als natürliches Gleitlager dient.

Wird dieser Schleimbeutel gereizt oder entzündet, entstehen häufig Schmerzen bei Armbewegungen sowie Druckschmerzen im Bereich der Schulter.

Eine Schleimbeutelentzündung tritt häufig gemeinsam mit einem Impingementsyndrom auf.

 

Arthrose des Schultergelenks (Omarthrose)

Unter einer Omarthrose versteht man den fortschreitenden Verschleiß des Gelenkknorpels im eigentlichen Schultergelenk.

Typische Beschwerden sind belastungsabhängige Schmerzen, zunehmende Bewegungseinschränkungen sowie gelegentlich Reibegeräusche während der Bewegung.

Im Vergleich zu Knie- oder Hüftarthrose tritt die Omarthrose deutlich seltener auf.

 

Arthrose des Acromioclaviculargelenks (AC-Gelenksarthrose)

Das Schultereckgelenk gehört zu den am häufigsten von Verschleiß betroffenen Gelenken der Schulter.

Beschwerden treten vor allem bei Überkopfbewegungen sowie beim Überkreuzen des Arms vor dem Körper auf.

Nicht jede im Röntgenbild sichtbare Arthrose verursacht jedoch Schmerzen.

 

Frozen Shoulder (Adhäsive Kapsulitis)

Die Frozen Shoulder ist eine schmerzhafte Erkrankung der Gelenkkapsel.

Sie entwickelt sich meist schleichend und verläuft typischerweise in mehreren Phasen.

Zunächst stehen starke Schmerzen im Vordergrund. Im weiteren Verlauf kommt es zu einer zunehmenden Einsteifung der Schulter. Erst nach Monaten oder Jahren bessert sich die Beweglichkeit langsam wieder.

 

Schulterluxation

Bei einer Schulterluxation springt der Oberarmkopf aus der Gelenkpfanne.

Die Schulterluxation ist die häufigste Ausrenkung eines großen Gelenkes beim Menschen.

Sie entsteht meist nach einem Unfall oder einer erheblichen Gewalteinwirkung und erfordert in der Regel eine sofortige ärztliche Behandlung.

 

Erkrankungen der langen Bizepssehne

Die lange Bizepssehne verläuft durch den vorderen Bereich des Schultergelenkes und ist bei vielen Bewegungen erheblichen Belastungen ausgesetzt.

Reizzustände oder Entzündungen dieser Sehne verursachen häufig Schmerzen an der Vorderseite der Schulter, insbesondere beim Heben oder Tragen von Lasten.

Nicht selten treten Bizepssehnenbeschwerden gemeinsam mit Erkrankungen der Rotatorenmanschette oder einem Impingementsyndrom auf.

 

Schulterinstabilität

Manche Menschen leiden unter einer angeborenen oder erworbenen Instabilität der Schulter.

Durch eine verminderte Stabilität kann sich der Oberarmkopf bei bestimmten Bewegungen übermäßig verschieben.

Betroffene berichten häufig über ein Unsicherheitsgefühl oder das Gefühl, die Schulter könne „herausspringen“.

 

Weitere mögliche Ursachen

Neben den häufigen Erkrankungen gibt es zahlreiche weitere Ursachen für Schulterbeschwerden, beispielsweise:

  • Verletzungen des Labrums (Bankart- oder SLAP-Läsion)
  • Muskelverletzungen
  • Erkrankungen der Halswirbelsäule
  • Nervenkompressionssyndrome
  • entzündlich-rheumatische Erkrankungen
  • seltene Tumorerkrankungen oder Infektionen

Diese Ursachen sind insgesamt deutlich seltener, sollten jedoch bei unklaren oder anhaltenden Beschwerden ebenfalls berücksichtigt werden.

 

Merkkasten

Viele Schultererkrankungen verursachen ähnliche Beschwerden. Schmerzen beim Anheben des Arms oder nächtliche Schulterschmerzen lassen noch keine sichere Diagnose zu. Erst die Kombination aus Anamnese, klinischer Untersuchung und – falls erforderlich – bildgebenden Verfahren ermöglicht eine gezielte Diagnosestellung.

 

Überleitung zum Schwerpunktkapitel

Bislang haben Sie den anatomischen Aufbau der Schulter, ihre Funktion sowie die häufigsten Ursachen von Schulterbeschwerden kennengelernt.

Nun wenden wir uns der Erkrankung zu, die in der osteopathischen und orthopädischen Praxis besonders häufig vorkommt: dem Impingementsyndrom.

Hier werden wir deutlich tiefer einsteigen als in den bisherigen Kapiteln. Wir erläutern nicht nur, was ein Impingement ist, sondern auch, warum es entsteht, welche biomechanischen Veränderungen eine Rolle spielen, welche Bedeutung Schulterblatt, Brustwirbelsäule und Rotatorenmanschette haben und wie moderne konservative sowie osteopathische Behandlungskonzepte aussehen.

 

Das Impingementsyndrom – die häufigste Ursache von Schulterschmerzen

Das Impingementsyndrom zählt zu den häufigsten Ursachen für Schulterschmerzen. Vor allem Menschen mittleren und höheren Alters, aber auch sportlich aktive Personen und Menschen mit häufigen Überkopfarbeiten sind davon betroffen.

Der Begriff „Impingement“ stammt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie „Anstoßen“, „Anprallen“ oder „Einklemmung“. Gemeint ist damit eine Einengung der Strukturen, die sich unter dem Schulterdach (Acromion) befinden. Betroffen sind insbesondere die Sehnen der Rotatorenmanschette – vor allem die Supraspinatussehne – sowie der darunter liegende Schleimbeutel (Bursa subacromialis).

Diese Strukturen gleiten bei jeder Armbewegung unter dem Schulterdach hindurch. Wird der zur Verfügung stehende Raum zu klein oder verändert sich der normale Bewegungsablauf der Schulter, kann es zu einer mechanischen Reizung kommen. Bleibt diese über längere Zeit bestehen, entstehen Entzündungen, Schmerzen und im weiteren Verlauf unter Umständen auch strukturelle Schäden.

Das Impingementsyndrom ist daher keine einzelne Erkrankung, sondern vielmehr die Folge eines gestörten Zusammenspiels verschiedener anatomischer und funktioneller Faktoren.

 

Was geschieht beim Impingementsyndrom?

Im gesunden Schultergelenk gleitet der Oberarmkopf während jeder Bewegung harmonisch in der Gelenkpfanne. Gleichzeitig bewegt sich das Schulterblatt auf dem Brustkorb mit, die Rotatorenmanschette stabilisiert den Oberarmkopf und sorgt dafür, dass dieser zentriert bleibt.

Zwischen Oberarmkopf und Schulterdach befindet sich der sogenannte subakromiale Raum. In diesem vergleichsweise engen Bereich verlaufen:

  • die Supraspinatussehne,
  • Anteile der übrigen Rotatorenmanschette,
  • die lange Bizepssehne,
  • der Schleimbeutel (Bursa subacromialis).

Normalerweise reicht dieser Raum aus, damit alle Strukturen bei jeder Armbewegung reibungsarm gleiten können.

Kommt es jedoch zu einer Verengung dieses Raumes oder verändert sich die Bewegungsführung des Oberarmkopfes, werden die dort verlaufenden Sehnen und der Schleimbeutel zunehmend belastet.

Anfangs entstehen lediglich Reizzustände.

Später können Entzündungen, Sehnenschäden oder sogar Teil- beziehungsweise Komplettrupturen der Rotatorenmanschette folgen.

Merke

Beim Impingementsyndrom ist häufig nicht die Sehne selbst das ursprüngliche Problem. Vielmehr entsteht die Reizung oft dadurch, dass sich die Biomechanik der Schulter verändert und der verfügbare Raum unter dem Schulterdach zu klein wird.

 

Der subakromiale Raum – warum wenige Millimeter entscheidend sein können

Der Raum zwischen Oberarmkopf und Schulterdach ist von Natur aus begrenzt.

Bereits geringe Veränderungen können dazu führen, dass die empfindlichen Strukturen stärker belastet werden.

Hierzu zählen beispielsweise:

  • ein Hochstand des Oberarmkopfes,
  • eine verminderte Zentrierung durch die Rotatorenmanschette,
  • eine unzureichende Mitbewegung des Schulterblattes,
  • knöcherne Veränderungen am Schulterdach,
  • Verschleiß des AC-Gelenks mit knöchernen Anbauten (Osteophyten),
  • entzündlich verdickte Schleimbeutel,
  • verdickte oder degenerativ veränderte Sehnen.

Jeder dieser Faktoren kann den subakromialen Raum verkleinern. Häufig wirken mehrere Ursachen gleichzeitig zusammen.

 

Primäres und sekundäres Impingement

Heute unterscheidet man zwei grundsätzliche Formen des Impingementsyndroms.

Primäres Impingement

Beim primären Impingement steht eine strukturelle Einengung des subakromialen Raumes im Vordergrund.

Mögliche Ursachen sind:

  • eine ungünstige Form des Schulterdachs,
  • knöcherne Anbauten (Osteophyten),
  • Arthrose des AC-Gelenks,
  • Verkalkungen,
  • entzündlich verdickte Schleimbeutel.

Hier ist der verfügbare Raum tatsächlich anatomisch verkleinert.

 

Sekundäres Impingement

Das sekundäre Impingement entsteht dagegen überwiegend durch funktionelle Veränderungen.

Hierzu gehören beispielsweise:

  • muskuläre Dysbalancen,
  • Störungen des scapulohumeralen Rhythmus,
  • verminderte Aktivität der Rotatorenmanschette,
  • eingeschränkte Beweglichkeit des Schulterblattes,
  • Funktionsstörungen der Brustwirbelsäule,
  • Haltungsveränderungen,
  • Schulterinstabilitäten.

Gerade diese Form spielt in der konservativen Therapie und auch in der osteopathischen Betrachtungsweise eine wichtige Rolle.

Denn hier besteht häufig die Möglichkeit, die zugrunde liegenden Funktionsstörungen gezielt zu behandeln.

 

Merkkasten

Während das primäre Impingement überwiegend durch anatomische Veränderungen verursacht wird, entsteht das sekundäre Impingement vor allem durch gestörte Bewegungsabläufe und funktionelle Veränderungen des Schulterkomplexes. In der Praxis überschneiden sich beide Formen häufig.

 

Warum die Rotatorenmanschette so wichtig ist

Bereits im Kapitel über die funktionelle Anatomie wurde beschrieben, dass die Rotatorenmanschette den Oberarmkopf während jeder Bewegung zentriert.

Genau diese Aufgabe ist beim Impingementsyndrom von entscheidender Bedeutung.

Arbeitet die Rotatorenmanschette nicht optimal, kann der Oberarmkopf während der Armhebung leicht nach oben ausweichen.

Dadurch verkleinert sich der subakromiale Raum.

Die Folge:

  • erhöhter Druck auf die Supraspinatussehne,
  • Reizung des Schleimbeutels,
  • zunehmende Entzündung,
  • Schmerzen,
  • Schonhaltung,
  • weitere muskuläre Veränderungen.

Es entsteht ein Teufelskreis, der sich ohne geeignete Behandlung zunehmend verstärken kann.

 

Die Bedeutung des Schulterblattes

Eine normale Schulterfunktion setzt voraus, dass sich das Schulterblatt bei jeder Armhebung harmonisch auf dem Brustkorb bewegt.

Bleibt diese Mitbewegung aus oder erfolgt sie verspätet, verändert sich die Stellung des Schulterdachs.

Dadurch wird der Raum unter dem Acromion zusätzlich eingeengt.

Aus diesem Grund beurteilen moderne Untersuchungs- und Behandlungskonzepte nicht nur das eigentliche Schultergelenk, sondern den gesamten Schultergürtel einschließlich Schulterblatt, Schlüsselbein, Brustwirbelsäule und Rippen.

Gerade diese funktionelle Betrachtungsweise entspricht auch dem osteopathischen Verständnis des Schulterkomplexes.

 

Zusammenfassung

Das Impingementsyndrom ist weit mehr als eine einfache „Einklemmung“ einer Sehne. Meist handelt es sich um das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels aus anatomischen Gegebenheiten, funktionellen Veränderungen, muskulärer Steuerung und individuellen Belastungen. Deshalb sollte sich die Behandlung nicht ausschließlich auf die schmerzende Struktur konzentrieren, sondern immer die gesamte Schulterfunktion berücksichtigen.

Welche Ursachen führen zu einem Impingementsyndrom?

Das Impingementsyndrom entsteht nur selten durch eine einzige Ursache. In den meisten Fällen entwickelt es sich schrittweise über einen längeren Zeitraum. Dabei beeinflussen sich anatomische Gegebenheiten, funktionelle Veränderungen, muskuläre Dysbalancen und äußere Belastungen gegenseitig.

Je mehr dieser Faktoren zusammentreffen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer Einengung des subakromialen Raumes und damit zu Beschwerden kommt.

 

Veränderungen des Schulterdaches

Eine mögliche Ursache liegt in der individuellen Form des Schulterdaches (Acromion).

Das Schulterdach bildet den oberen Abschluss des Schultergelenks und begrenzt den Raum, durch den die Sehnen der Rotatorenmanschette verlaufen.

Nicht jeder Mensch besitzt die gleiche Form des Acromions. In der orthopädischen Literatur werden verschiedene Varianten beschrieben. Besonders ein nach vorne stärker gebogenes oder hakenförmiges Acromion kann den subakromialen Raum verkleinern und dadurch das Risiko eines Impingements erhöhen.

Diese anatomische Besonderheit allein führt jedoch nicht zwangsläufig zu Beschwerden. Viele Menschen besitzen eine solche Acromionform, ohne jemals Schulterschmerzen zu entwickeln.

Erst wenn weitere Faktoren hinzukommen, kann sich ein Impingementsyndrom entwickeln.

 

Verschleiß des AC-Gelenks

Auch das Schultereckgelenk (Acromioclaviculargelenk) kann mit zunehmendem Alter Verschleißerscheinungen entwickeln.

Im Rahmen einer AC-Gelenksarthrose entstehen gelegentlich knöcherne Anbauten (Osteophyten), die nach unten in den subakromialen Raum hineinragen können.

Dadurch wird der Platz für die Sehnen der Rotatorenmanschette zusätzlich eingeschränkt.

Diese Veränderungen entwickeln sich meist langsam über viele Jahre.

 

Veränderungen der Rotatorenmanschette

Die Sehnen der Rotatorenmanschette sind täglich hohen Belastungen ausgesetzt.

Mit zunehmendem Lebensalter können sich degenerative Veränderungen entwickeln.

Hierzu gehören beispielsweise:

  • verminderte Elastizität,
  • kleinere Einrisse,
  • Verdickungen,
  • verminderte Belastbarkeit.

Verdickte oder vorgeschädigte Sehnen benötigen mehr Platz unter dem Schulterdach und reagieren empfindlicher auf mechanische Belastungen.

 

Muskuläre Dysbalancen

Eine der häufigsten funktionellen Ursachen eines Impingementsyndroms sind muskuläre Ungleichgewichte.

Dabei arbeiten einzelne Muskeln zu wenig, während andere dauerhaft überlastet oder verkürzt sind.

Typische Beispiele sind:

  • abgeschwächte Schulterblattstabilisatoren,
  • verminderte Aktivität der Rotatorenmanschette,
  • verkürzte Brustmuskulatur,
  • verspannte Nackenmuskulatur,
  • überaktive obere Anteile des Trapezmuskels.

Diese Veränderungen beeinflussen die Stellung des Schulterblattes und verändern den Bewegungsablauf der gesamten Schulter.

 

Merke

Nicht allein Kraft entscheidet über eine gesunde Schulterfunktion. Entscheidend ist vor allem das ausgewogene Zusammenspiel der verschiedenen Muskelgruppen.

 

Störungen des Schulterblattes (Scapuladyskinesie)

Das Schulterblatt übernimmt eine zentrale Rolle für die Funktion der Schulter.

Bei jedem Anheben des Arms muss es sich in einer genau abgestimmten Bewegung nach oben drehen und gleichzeitig stabil auf dem Brustkorb geführt werden.

Ist diese Bewegung gestört, verändert sich auch die Stellung des Schulterdaches.

Dadurch kann der Raum unter dem Acromion kleiner werden und die Belastung der Rotatorenmanschette zunehmen.

In der Fachliteratur wird dieses veränderte Bewegungsmuster als Scapuladyskinesie bezeichnet.

Sie stellt keinen eigenständigen Krankheitsbefund dar, sondern beschreibt eine gestörte Bewegungskoordination des Schulterblattes.

 

Eingeschränkte Beweglichkeit der Brustwirbelsäule

Die Schulter arbeitet nicht unabhängig vom übrigen Körper.

Insbesondere die Brustwirbelsäule beeinflusst die Stellung des Schultergürtels erheblich.

Eine aufrechte Brustwirbelsäule erleichtert die freie Bewegung des Schulterblattes.

Ist die Brustwirbelsäule hingegen weniger beweglich, beispielsweise durch langes Sitzen, Bewegungsmangel oder altersbedingte Veränderungen, verändert sich häufig die gesamte Haltung.

Die Schultern sinken nach vorne.

Das Schulterblatt kippt.

Der subakromiale Raum wird kleiner.

Dadurch können sich die Belastungen auf die Rotatorenmanschette erhöhen.

Gerade deshalb gehört die Untersuchung der Brustwirbelsäule bei Schulterbeschwerden zu einer ganzheitlichen Funktionsdiagnostik.

 

Die Rolle der Rippen

Das Schulterblatt gleitet bei jeder Armbewegung direkt über den Brustkorb.

Die Rippen bilden dabei die funktionelle Unterlage für diese Bewegung.

Sind einzelne Rippen in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt oder ist die Muskulatur zwischen den Rippen verspannt, kann dies die Beweglichkeit des Schulterblattes beeinflussen.

Obwohl dieser Zusammenhang häufig unterschätzt wird, kann er im Einzelfall zu einer veränderten Schultermechanik beitragen.

 

Fehlhaltungen im Alltag

Unsere heutigen Lebensgewohnheiten verändern häufig die natürliche Körperhaltung.

Langes Arbeiten am Computer, häufige Smartphone-Nutzung und überwiegend sitzende Tätigkeiten fördern:

  • einen nach vorne verlagerten Kopf,
  • eine verstärkte Rundrückenhaltung,
  • nach vorne fallende Schultern,
  • eine eingeschränkte Brustkorbbeweglichkeit.

Diese Haltung verändert die Ausgangsposition der Schulter und erschwert den normalen Bewegungsablauf.

Langfristig können dadurch Überlastungen der Rotatorenmanschette begünstigt werden.

Wiederholte Überkopfbewegungen

Sportarten wie Tennis, Volleyball, Handball oder Schwimmen sowie berufliche Tätigkeiten über Schulterhöhe stellen hohe Anforderungen an den Schulterkomplex.

Durch die häufige Wiederholung dieser Bewegungen kann es zu einer chronischen Überlastung der Sehnen und Schleimbeutel kommen.

Dabei spielen nicht nur die Belastung selbst, sondern auch die Bewegungsqualität und die muskuläre Kontrolle eine entscheidende Rolle.

 

Warum häufig mehrere Ursachen gleichzeitig bestehen

In der Praxis zeigt sich selten nur ein einzelner Auslöser.

Viel häufiger entwickelt sich ein Impingementsyndrom aus einer Kombination verschiedener Faktoren.

Ein Beispiel:

Ein Büroangestellter arbeitet täglich viele Stunden am Computer. Dadurch entwickelt sich eine nach vorne geneigte Körperhaltung mit eingeschränkter Beweglichkeit der Brustwirbelsäule. Gleichzeitig werden die Schulterblattstabilisatoren weniger aktiv. Beginnt dieser Patient zusätzlich mit intensivem Krafttraining oder regelmäßigen Überkopfbewegungen, kann die Schulter den erhöhten Anforderungen nicht mehr optimal begegnen. Es entstehen zunächst funktionelle Veränderungen, später Reizzustände der Rotatorenmanschette und schließlich Beschwerden im Sinne eines Impingementsyndroms.

Dieses Beispiel zeigt, warum eine erfolgreiche Behandlung häufig mehr umfasst als die alleinige Therapie der schmerzenden Sehne.

 

Merkkasten

Das Impingementsyndrom ist meist die Folge mehrerer zusammenwirkender Faktoren. Anatomische Besonderheiten, muskuläre Dysbalancen, Veränderungen der Körperhaltung und funktionelle Einschränkungen des Schulterkomplexes beeinflussen sich gegenseitig. Deshalb sollte die Diagnostik immer den gesamten Schultergürtel und seine Funktion berücksichtigen.

 

Welche Beschwerden verursacht ein Impingementsyndrom?

Die Beschwerden entwickeln sich häufig schleichend. Anfangs treten Schmerzen meist nur bei bestimmten Bewegungen oder stärkeren Belastungen auf. Im weiteren Verlauf können die Beschwerden jedoch zunehmen und schließlich auch in Ruhe oder nachts auftreten.

Die Art und Intensität der Beschwerden unterscheiden sich von Mensch zu Mensch. Sie hängen unter anderem davon ab, welche Strukturen betroffen sind, wie lange die Beschwerden bereits bestehen und ob zusätzlich Entzündungen oder Schädigungen der Rotatorenmanschette vorliegen.

 

Schmerzen beim Anheben des Arms

Das häufigste Symptom eines Impingementsyndroms sind Schmerzen beim Anheben des Arms.

Viele Betroffene berichten, dass alltägliche Bewegungen zunehmend Schwierigkeiten bereiten, beispielsweise:

  • das Anziehen eines Pullovers,
  • das Föhnen oder Kämmen der Haare,
  • das Einräumen von Geschirr in einen Oberschrank,
  • das Aufhängen von Wäsche,
  • Arbeiten über Kopf,
  • sportliche Überkopfbewegungen.

Besonders typisch sind Schmerzen beim seitlichen Anheben des Arms. Die Schmerzlokalisation ist zumeist an der Außenseite oder Vorderseite des Oberarmes.

 

Der „Painful Arc“ – der schmerzhafte Bogen

Ein klassisches Zeichen des Impingementsyndroms ist der sogenannte „Painful Arc“, der schmerzhafte Bewegungsbogen.

Dabei treten die stärksten Schmerzen meist zwischen etwa 60° und 120° Armhebung auf.

Unterhalb dieses Bereiches bestehen oft nur geringe Beschwerden.

Oberhalb von etwa 120° können die Schmerzen sogar wieder nachlassen.

Dieses Phänomen erklärt sich dadurch, dass die Sehnen der Rotatorenmanschette in diesem Bewegungsbereich den geringsten Abstand zum Schulterdach besitzen und dadurch besonders stark belastet werden.

Der Painful Arc allein beweist jedoch kein Impingementsyndrom. Er stellt lediglich einen wichtigen Hinweis im Rahmen der klinischen Untersuchung dar.

 

Merke

Schmerzen beim Anheben des Arms zwischen etwa 60° und 120° sind typisch für ein Impingementsyndrom, erlauben jedoch allein noch keine sichere Diagnose.

Schmerzen bei Überkopfarbeiten

Viele Patienten berichten, dass insbesondere Tätigkeiten über Schulterhöhe Beschwerden verursachen. Durch die Armhebung über 90° kommt es zu einer Einengung des Subacromialraumes was zu einer Kompression der Supraspinatussehne führt. 

Hierzu gehören beispielsweise:

  • Fenster putzen,
  • Malerarbeiten,
  • Arbeiten an der Decke,
  • Gartenarbeiten,
  • sportliche Wurfbewegungen,
  • Schwimmen,
  • Tennis oder Volleyball.

Je länger die Arme über Kopf gehalten werden müssen, desto stärker nehmen die Schmerzen häufig zu. Die Schmerzen sind meist im Oberarm lokalisiert.

 

Kraftverlust

Im frühen Stadium eines Impingementsyndroms steht meist der Schmerz im Vordergrund, die zumeist an der Außenseite oder Vorderseite des Oberarmes lokalisiert sind.

Bestehen die Beschwerden über längere Zeit oder kommt es zusätzlich zu Schädigungen der Rotatorenmanschette, berichten viele Patienten über eine nachlassende Kraft.

Besonders auffällig wird dies beim:

  • Heben schwerer Gegenstände,
  • Tragen von Einkaufstaschen,
  • Arbeiten über Kopf,
  • Sport,
  • Anheben des Arms gegen Widerstand.

Nicht selten entsteht der Eindruck, der Arm sei „schwach“ oder lasse sich nicht mehr kontrolliert bewegen.

 

Bewegungseinschränkungen

Zu Beginn bleibt die Beweglichkeit häufig weitgehend erhalten.

Mit zunehmender Schmerzintensität entwickeln viele Betroffene jedoch eine Schonhaltung.

Bestimmte Bewegungen werden vermieden.

Dadurch können sich Muskulatur und Gelenkkapsel zunehmend versteifen.

Langfristig kann die Beweglichkeit der Schulter deutlich eingeschränkt sein.

 

Beschwerden im Alltag

Viele Patienten suchen erst dann ärztliche oder therapeutische Hilfe auf, wenn alltägliche Tätigkeiten zunehmend Schwierigkeiten bereiten.

Hierzu gehören beispielsweise:

  • Jacke anziehen,
  • Sicherheitsgurt greifen,
  • Gegenstände aus hohen Regalen holen,
  • Einkäufe tragen,
  • Fenster putzen,
  • Gartenarbeit,
  • Sport,
  • Schlafen auf der betroffenen Seite.

Gerade diese Einschränkungen führen häufig zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität.

 

Wie entwickeln sich die Beschwerden?

Ein Impingementsyndrom entsteht meist nicht plötzlich, sondern entwickelt sich über Monate oder sogar Jahre.

Ein typischer Verlauf kann folgendermaßen aussehen:

  • zunächst Beschwerden nur nach stärkerer Belastung,
  • später Schmerzen bei bestimmten Bewegungen,
  • zunehmende Schmerzen bei Überkopfarbeiten,
  • Nachtschmerzen,
  • Entwicklung einer Schonhaltung,
  • Kraftverlust,
  • zunehmende Bewegungseinschränkungen,
  • mögliche Schädigung der Rotatorenmanschette.

Wird dieser Kreislauf nicht rechtzeitig unterbrochen, können sich die Beschwerden chronifizieren.

 

Merkkasten

Frühzeitig erkannte Schulterbeschwerden lassen sich häufig gut konservativ behandeln. Halten Schmerzen jedoch über mehrere Wochen an, nehmen sie zu oder treten zusätzlich Kraftverlust und deutliche Bewegungseinschränkungen auf, sollte eine gezielte ärztliche oder therapeutische Abklärung erfolgen.

 

Überleitung zur Diagnostik

Die beschriebenen Beschwerden liefern bereits wichtige Hinweise auf ein Impingementsyndrom. Dennoch können ähnliche Symptome auch bei anderen Schultererkrankungen auftreten, etwa bei einer Kalkschulter, einer Schleimbeutelentzündung, einer Rotatorenmanschettenverletzung oder einer Frozen Shoulder.

Deshalb reicht die Beschreibung der Beschwerden allein nicht aus, um eine sichere Diagnose zu stellen. Entscheidend ist eine sorgfältige klinische Untersuchung, die durch bildgebende Verfahren ergänzt werden kann.

Im nächsten Kapitel erfahren Sie, wie ein Impingementsyndrom diagnostiziert wird, welche Funktionstests eingesetzt werden und welche Bedeutung Ultraschall, Röntgen und Magnetresonanztomographie (MRT) haben.

 

Diagnostik des Impingementsyndroms

Da verschiedene Schultererkrankungen ähnliche Beschwerden verursachen können, ist eine sorgfältige Diagnostik von großer Bedeutung. Ziel der Untersuchung ist es, die Ursache der Schmerzen möglichst genau einzugrenzen und andere Erkrankungen auszuschließen.

Die Diagnose stützt sich dabei auf mehrere Bausteine:

  • das ärztliche Gespräch (Anamnese),
  • die körperliche Untersuchung,
  • spezielle Funktionstests,
  • bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Röntgen oder MRT.

Erst das Zusammenspiel dieser Untersuchungen ermöglicht eine zuverlässige Beurteilung.

Das ärztliche Gespräch (Anamnese)

Am Anfang jeder Diagnostik steht das ausführliche Gespräch.

Dabei interessiert den Untersucher unter anderem:

  • Seit wann bestehen die Beschwerden?
  • Sind die Schmerzen plötzlich oder schleichend entstanden?
  • Gab es einen Unfall oder eine Verletzung?
  • Treten die Schmerzen nur bei Belastung oder auch in Ruhe auf?
  • Bestehen Nachtschmerzen?
  • Welche Bewegungen lösen die Beschwerden aus?
  • Gibt es berufliche oder sportliche Belastungen?
  • Bestehen Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus oder rheumatische Erkrankungen?

Bereits aus der Krankengeschichte ergeben sich häufig wichtige Hinweise auf die zugrunde liegende Ursache.

Die klinische Untersuchung

Anschließend folgt die körperliche Untersuchung.

Dabei werden zunächst beide Schultern miteinander verglichen.

Beurteilt werden unter anderem:

  • Körperhaltung,
  • Stellung der Schulterblätter,
  • Muskelentwicklung,
  • Schwellungen,
  • Rötungen,
  • Beweglichkeit,
  • Kraft,
  • Schmerzpunkte.

Bereits beim Beobachten einfacher Armbewegungen lassen sich häufig Veränderungen des Bewegungsmusters erkennen.

Besonders wichtig ist die Beurteilung der Beweglichkeit des Schulterblattes während der Armhebung.

Auch Brustwirbelsäule, Halswirbelsäule und Schlüsselbein sollten in die Untersuchung einbezogen werden, da Funktionsstörungen dieser Regionen die Schultermechanik beeinflussen können.

 

Merke

Eine sorgfältige Schulteruntersuchung beschränkt sich nicht allein auf das Schultergelenk. Auch Schulterblatt, Brustwirbelsäule, Rippen und Halswirbelsäule können wichtige Hinweise auf die Ursache der Beschwerden liefern.

 

Spezielle Funktionstests

Zur weiteren Diagnostik stehen verschiedene klinische Tests zur Verfügung.

Keiner dieser Tests beweist für sich allein ein Impingementsyndrom.

Erst die Kombination mehrerer Untersuchungsergebnisse erhöht die diagnostische Aussagekraft.

 

Neer-Test

Beim Neer-Test hebt der Untersucher den gestreckten Arm des Patienten langsam nach vorne an.

Hierdurch wird der Raum unter dem Schulterdach verkleinert.

Treten dabei die bekannten Schmerzen auf, kann dies auf eine Reizung der Rotatorenmanschette oder des Schleimbeutels hinweisen.

Der Test besitzt eine gute Empfindlichkeit, ist jedoch nicht spezifisch ausschließlich für ein Impingementsyndrom.

 

Hawkins-Kennedy-Test

Beim Hawkins-Kennedy-Test wird der Arm nach vorne angehoben und anschließend nach innen gedreht.

Dadurch werden die Strukturen unter dem Schulterdach zusätzlich belastet.

Schmerzen während dieses Tests sprechen ebenfalls für eine Reizung im subakromialen Raum.

Der Hawkins-Kennedy-Test gehört zu den am häufigsten eingesetzten Untersuchungsverfahren bei Schulterbeschwerden.

 

Painful Arc

Der bereits beschriebene schmerzhafte Bewegungsbogen wird ebenfalls während der Untersuchung beurteilt.

Typisch sind Schmerzen zwischen etwa 60° und 120° Armhebung.

Außerhalb dieses Bereiches nehmen die Beschwerden häufig wieder ab.

Der Painful Arc liefert wichtige Hinweise, reicht jedoch allein nicht für eine sichere Diagnose aus.

 

Jobe-Test (Empty-Can-Test)

Mit dem Jobe-Test wird vor allem die Funktion der Supraspinatussehne überprüft.

Der Patient hebt beide Arme seitlich leicht nach vorne versetzt an und dreht die Daumen nach unten.

Anschließend übt der Untersucher einen leichten Druck nach unten aus.

Schmerzen oder ein deutlicher Kraftverlust können auf eine Schädigung der Supraspinatussehne hinweisen.

 

Weitere klinische Tests

Je nach Beschwerdebild können zahlreiche weitere Funktionstests durchgeführt werden.

Hierzu gehören beispielsweise:

  • Außenrotations-Test,
  • Lift-off-Test,
  • Belly-Press-Test,
  • Cross-Body-Adduction-Test (bei AC-Gelenksbeschwerden),
  • Apprehension-Test (bei Schulterinstabilität),
  • Speed-Test und Yergason-Test (bei Erkrankungen der langen Bizepssehne).

Welche Tests sinnvoll sind, richtet sich nach dem individuellen Beschwerdebild.

 

Merkkasten

Klinische Tests liefern wichtige Hinweise, ersetzen jedoch keine umfassende Diagnostik. Entscheidend ist immer die Gesamtheit aller Untersuchungsergebnisse.

Ultraschall (Sonographie)

Die Ultraschalluntersuchung gehört heute zu den wichtigsten bildgebenden Verfahren bei Schulterbeschwerden.

Sie ermöglicht die Beurteilung von:

  • Rotatorenmanschette,
  • Schleimbeuteln,
  • Bizepssehne,
  • Gelenkergüssen,
  • Verkalkungen.

Ein großer Vorteil besteht darin, dass Bewegungen der Schulter während der Untersuchung direkt beobachtet werden können (dynamische Sonographie).

Außerdem ist die Untersuchung strahlungsfrei, schnell verfügbar und beliebig wiederholbar.

 

Röntgen

Das Röntgenbild dient vor allem der Beurteilung knöcherner Strukturen.

Erkennbar sind unter anderem:

  • Arthrose,
  • Verkalkungen,
  • knöcherne Anbauten (Osteophyten),
  • Veränderungen des Schulterdaches,
  • Knochenverletzungen.

Sehnen, Schleimbeutel oder Muskeln lassen sich dagegen im Röntgenbild nicht ausreichend darstellen.

Magnetresonanztomographie (MRT)

Die Magnetresonanztomographie ermöglicht eine sehr detaillierte Darstellung der Weichteile.

Sie eignet sich insbesondere zum Nachweis von:

  • Sehnenverletzungen,
  • Rotatorenmanschettenrissen,
  • Schleimbeutelentzündungen,
  • Labrumverletzungen,
  • Knorpelschäden,
  • Gelenkkapselveränderungen.

Ein MRT ist jedoch nicht bei jedem Patienten erforderlich. Häufig reichen Anamnese, klinische Untersuchung und Ultraschall bereits aus.

Merke

Nicht jede im MRT sichtbare Veränderung erklärt automatisch die Beschwerden. Bildgebende Befunde müssen immer im Zusammenhang mit der klinischen Untersuchung beurteilt werden.

 

Differentialdiagnosen

Da verschiedene Erkrankungen ähnliche Beschwerden verursachen können, müssen unter anderem folgende Ursachen ausgeschlossen werden:

  • Kalkschulter
  • Frozen Shoulder
  • Rotatorenmanschettenruptur
  • AC-Gelenksarthrose
  • Schulterarthrose
  • Schulterinstabilität
  • Erkrankungen der langen Bizepssehne
  • Schleimbeutelentzündung
  • Erkrankungen der Halswirbelsäule
  • Nervenkompressionssyndrome
  • entzündlich-rheumatische Erkrankungen

Gerade deshalb sollte eine anhaltende Schulterproblematik nicht allein anhand von Internetinformationen beurteilt, sondern fachgerecht untersucht werden.

 

Diagnostik aus osteopathischer Sicht

Neben der schulmedizinischen Diagnostik betrachtet die Osteopathie die Schulter als Teil eines funktionellen Gesamtsystems.

Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur die schmerzhafte Struktur, sondern auch die Frage, warum sie überlastet wurde.

Je nach Beschwerdebild können unter anderem folgende Bereiche in die Untersuchung einbezogen werden:

  • Beweglichkeit des Schulterblattes,
  • Funktion der Brustwirbelsäule,
  • Beweglichkeit der Rippen,
  • Schlüsselbein und Sternoklavikulargelenk,
  • Halswirbelsäule,
  • muskuläre Dysbalancen,
  • Haltung und Bewegungsmuster.

Diese funktionelle Betrachtungsweise ersetzt keine schulmedizinische Diagnostik, kann sie jedoch sinnvoll ergänzen und Hinweise auf Faktoren liefern, die zu einer veränderten Schultermechanik beitragen.

 

Zusammenfassung

Die Diagnose eines Impingementsyndroms basiert auf einer Kombination aus Anamnese, klinischer Untersuchung und – falls erforderlich – bildgebenden Verfahren. Einzelne Tests oder MRT-Befunde allein reichen meist nicht aus. Entscheidend ist die Gesamtschau aller Befunde sowie die sorgfältige Abgrenzung gegenüber anderen Schultererkrankungen.

Behandlung des Impingementsyndroms

Die Behandlung des Impingementsyndroms richtet sich nach der Ursache der Beschwerden, deren Dauer sowie dem Ausmaß möglicher struktureller Veränderungen. In den meisten Fällen erfolgt zunächst eine konservative Behandlung. Nur ein kleiner Teil der Betroffenen benötigt im Verlauf eine operative Therapie.

Ziel der Behandlung ist es, Schmerzen zu lindern, die normale Beweglichkeit der Schulter wiederherzustellen und die Ursache der Überlastung möglichst dauerhaft zu beseitigen.

Dabei sollte sich die Therapie nicht ausschließlich auf die schmerzende Sehne konzentrieren. Ebenso wichtig ist es, die Funktion des gesamten Schulterkomplexes zu verbessern und erneuten Beschwerden vorzubeugen.

 

Konservative Behandlung

Bei den meisten Patienten kann ein Impingementsyndrom zunächst ohne Operation behandelt werden.

Die konservative Therapie umfasst verschiedene Bausteine, die individuell miteinander kombiniert werden.

Information und Aufklärung

Ein wichtiger Bestandteil jeder Behandlung ist das Verständnis der Erkrankung.

Viele Patienten befürchten bereits nach den ersten Schulterschmerzen eine schwere Schädigung der Schulter. Tatsächlich handelt es sich jedoch häufig um funktionelle oder entzündliche Veränderungen, die sich bei frühzeitiger Behandlung gut beeinflussen lassen.

Wer die Ursachen seiner Beschwerden kennt, kann den Heilungsverlauf durch ein angepasstes Verhalten aktiv unterstützen.

 

Anpassung belastender Tätigkeiten

Während einer akuten Reizphase sollten Bewegungen vermieden werden, die die Beschwerden deutlich verstärken.

Hierzu gehören insbesondere:

  • länger andauernde Überkopfarbeiten,
  • schweres Heben über Schulterhöhe,
  • wiederholte Wurfbewegungen,
  • stark schmerzhafte Kraftübungen.

Eine vollständige Ruhigstellung der Schulter ist dagegen meist nicht sinnvoll. Sie kann zu einer weiteren Einschränkung der Beweglichkeit führen.

Ziel ist vielmehr eine dosierte Belastung innerhalb der individuellen Schmerzgrenze.

 

Merke

Schonen bedeutet nicht vollständige Ruhe. Die Schulter benötigt weiterhin regelmäßige, möglichst schmerzarme Bewegung, um ihre Funktion zu erhalten.

 

Schmerztherapie

Bei stärkeren Beschwerden können vorübergehend schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente eingesetzt werden.

Hierzu gehören beispielsweise nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac.

Diese Medikamente können die Beschwerden lindern und dadurch die Durchführung von Übungen erleichtern.

Aufgrund möglicher Nebenwirkungen sollten sie jedoch nur nach ärztlicher Empfehlung und möglichst nicht über längere Zeit eingenommen werden.

Physiotherapie und medizinische Trainingstherapie

Die Physiotherapie stellt einen der wichtigsten Bestandteile der konservativen Behandlung dar.

Je nach Ursache stehen unterschiedliche Ziele im Vordergrund:

  • Verbesserung der Beweglichkeit,
  • Erweiterung des Subacromialraumes durch Manuelle Therapie,
  • Kräftigung der Rotatorenmanschette,
  • Training der Schulterblattmuskulatur,
  • Verbesserung der Körperhaltung,
  • Optimierung des scapulohumeralen Rhythmus,
  • Wiederherstellung der normalen Schulterfunktion.

Heute weiß man, dass ein gezielt aufgebautes Übungsprogramm langfristig häufig wirksamer ist als passive Maßnahmen allein.

Die Übungen sollten individuell angepasst und regelmäßig durchgeführt werden.

Manuelle Therapie

Bei eingeschränkter Beweglichkeit einzelner Gelenke kann die manuelle Therapie Bestandteil der Behandlung sein.

Ziel ist es unter anderem,                                 

  • die Gelenkbeweglichkeit zu verbessern,
  • den Subacromialraum zu erweitern,
  • die Beweglichkeit des Schulterblattes zu fördern,
  • die Brustwirbelsäule zu mobilisieren,
  • funktionelle Bewegungseinschränkungen zu behandeln.

Welche Maßnahmen sinnvoll sind, richtet sich nach den individuellen Untersuchungsergebnissen.

 

Injektionstherapie

Bei ausgeprägten Entzündungen kann in bestimmten Fällen eine Injektion in den subakromialen Raum erwogen werden.

Meist werden hierzu Kortikosteroide eingesetzt.

Sie können Schmerzen und Entzündungen kurzfristig deutlich reduzieren.

Da wiederholte Kortisoninjektionen die Sehnen langfristig schwächen können, sollten sie sorgfältig abgewogen und nicht routinemäßig durchgeführt werden.

 

Stoßwellentherapie

Liegt zusätzlich eine Kalkschulter (Tendinosis calcarea) vor, kann unter bestimmten Voraussetzungen eine extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT) sinnvoll sein.

Dabei werden hochenergetische Druckwellen eingesetzt, um die Auflösung von Kalkablagerungen zu unterstützen.

Nicht bei jedem Impingementsyndrom ist diese Behandlung angezeigt.

 

Wann ist eine Operation erforderlich?

Die überwiegende Mehrzahl der Patienten kann konservativ behandelt werden.

Eine operative Behandlung kommt vor allem dann in Betracht,

  • wenn trotz konsequenter konservativer Therapie über mehrere Monate keine ausreichende Besserung erreicht wird,
  • bei größeren Rissen der Rotatorenmanschette,
  • bei ausgeprägten knöchernen Einengungen,
  • bei bestimmten Instabilitäten,
  • nach schweren Verletzungen.

Heute erfolgen viele Eingriffe arthroskopisch, also mit einer Gelenkspiegelung über kleine Hautschnitte.

Je nach Befund können dabei beispielsweise entzündetes Gewebe entfernt, knöcherne Einengungen reduziert oder gerissene Sehnen rekonstruiert werden.

Die Entscheidung für eine Operation sollte stets individuell getroffen werden und sich an den Beschwerden, den klinischen Befunden und den Erwartungen des Patienten orientieren.

 

Die Bedeutung der Eigenaktivität

Unabhängig von der gewählten Behandlung spielt die aktive Mitarbeit des Patienten eine entscheidende Rolle.

Eine nachhaltige Verbesserung lässt sich meist nur erreichen, wenn

  • regelmäßige Übungen durchgeführt werden,
  • ungünstige Belastungen reduziert werden,
  • die Schulter schrittweise wieder belastet wird,
  • die allgemeine körperliche Aktivität erhalten bleibt.

Eine erfolgreiche Behandlung ist daher in den meisten Fällen das Ergebnis eines Zusammenspiels aus therapeutischer Begleitung und aktiver Eigeninitiative.

 

Merkkasten

Die Behandlung eines Impingementsyndroms besteht meist aus mehreren Bausteinen. Bewegung, gezieltes Training und die Behandlung möglicher Funktionsstörungen bilden häufig die Grundlage einer erfolgreichen konservativen Therapie. Operative Eingriffe sind nur bei einem Teil der Betroffenen erforderlich.

 

Überleitung

Neben den etablierten konservativen Behandlungsmöglichkeiten interessieren sich viele Patienten für ergänzende Verfahren. Insbesondere die Osteopathie wird häufig bei Schulterbeschwerden in Anspruch genommen.

Im nächsten Kapitel betrachten wir daher die Osteopathie beim Impingementsyndrom. Dabei soll nicht der Eindruck entstehen, dass sie eine Alternative zur medizinischen Diagnostik oder notwendigen schulmedizinischen Behandlung darstellt. Vielmehr geht es um die Frage, welchen Beitrag eine osteopathische Behandlung im Rahmen eines ganzheitlichen Therapiekonzeptes leisten kann.

Osteopathie beim Impingementsyndrom

Viele Patienten mit einem Impingementsyndrom fragen sich, ob eine osteopathische Behandlung sinnvoll sein kann. Tatsächlich wird die Osteopathie häufig als ergänzende konservative Behandlung bei Schulterbeschwerden in Anspruch genommen.

Die Osteopathie versteht den menschlichen Körper als funktionelle Einheit. Beschwerden entstehen aus dieser Sicht häufig nicht ausschließlich an der schmerzhaften Körperregion selbst, sondern können durch Veränderungen des Zusammenspiels verschiedener Strukturen begünstigt oder unterhalten werden.

Beim Impingementsyndrom bedeutet dies, dass nicht nur die Sehnen der Rotatorenmanschette oder der Schleimbeutel betrachtet werden, sondern der gesamte Schulterkomplex in die Untersuchung einbezogen wird.

Dabei ersetzt die Osteopathie weder eine sorgfältige medizinische Diagnostik noch notwendige schulmedizinische Behandlungsmaßnahmen. Sie kann jedoch – abhängig von der individuellen Ursache der Beschwerden – Bestandteil eines ganzheitlichen Therapiekonzeptes sein.

 

Die funktionelle Betrachtungsweise der Osteopathie

Eine Besonderheit der osteopathischen Untersuchung besteht darin, funktionelle Zusammenhänge zu analysieren.

Beim Impingementsyndrom können beispielsweise folgende Bereiche untersucht werden:

  • Beweglichkeit des Schultergelenks,
  • Funktion des Schulterblattes,
  • Beweglichkeit des Schlüsselbeins,
  • Sternoklavikulargelenk,
  • Acromioclaviculargelenk,
  • Brustwirbelsäule,
  • Rippen,
  • Halswirbelsäule,
  • Muskelspannung,
  • Bewegungskoordination,
  • Körperhaltung.

Diese Untersuchung verfolgt das Ziel, mögliche funktionelle Einschränkungen zu erkennen, die den normalen Bewegungsablauf der Schulter beeinflussen können.

 

Die Bedeutung des Schulterblattes

In der Osteopathie spielt das Schulterblatt eine zentrale Rolle.

Damit der Arm schmerzfrei angehoben werden kann, muss sich das Schulterblatt harmonisch auf dem Brustkorb bewegen.

Bereits geringe Einschränkungen dieser Bewegung können die Stellung des Schulterdaches verändern und dadurch die Belastung der Rotatorenmanschette erhöhen.

Deshalb wird die Funktion des Schulterblattes sorgfältig beurteilt.

Hierbei interessieren unter anderem:

  • Beweglichkeit,
  • Stellung,
  • Koordination,
  • Zusammenspiel mit Brustkorb und Schlüsselbein.

 

Brustwirbelsäule und Rippen

Auch die Brustwirbelsäule beeinflusst die Schulterfunktion erheblich.

Eine eingeschränkte Beweglichkeit kann die Aufrichtung des Oberkörpers erschweren und dadurch die Stellung der Schulter verändern.

Ebenso bilden die Rippen die funktionelle Gleitfläche des Schulterblattes.

Ist ihre Beweglichkeit vermindert, kann sich dies auf den gesamten Bewegungsablauf des Schultergürtels auswirken.

Aus osteopathischer Sicht werden diese Regionen deshalb häufig in die Untersuchung und – sofern funktionelle Einschränkungen vorliegen – in die Behandlung einbezogen.

 

Die Rolle der Halswirbelsäule

Zwischen Halswirbelsäule und Schulter bestehen enge funktionelle Beziehungen.

Verspannte Muskulatur oder eingeschränkte Beweglichkeit der Halswirbelsäule können das Bewegungsverhalten des Schultergürtels beeinflussen.

Umgekehrt können länger bestehende Schulterbeschwerden zu einer erhöhten Muskelspannung im Nacken führen.

Deshalb umfasst die Untersuchung häufig auch die Halswirbelsäule und die angrenzenden Muskelgruppen.

 

Ganzheitliche Betrachtung der Körperhaltung

Die Schulter arbeitet nicht isoliert.

Sie ist Teil einer funktionellen Kette, die den gesamten Oberkörper umfasst.

Eine dauerhaft nach vorne geneigte Haltung, eine eingeschränkte Brustkorbbeweglichkeit oder muskuläre Dysbalancen können die Belastungsverhältnisse innerhalb der Schulter verändern.

Aus diesem Grund gehört die Analyse der Körperhaltung häufig zur osteopathischen Untersuchung.

Ziel ist es, mögliche Faktoren zu erkennen, die zu einer dauerhaften Überlastung der Schulter beitragen könnten.

 

Merkkasten

Die Osteopathie behandelt nicht nur den Ort des Schmerzes, sondern berücksichtigt die funktionellen Zusammenhänge des gesamten Schultergürtels. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Faktoren die normale Schultermechanik beeinflussen könnten.

 

Grenzen der Osteopathie

So wichtig die ganzheitliche Betrachtungsweise ist, ebenso wichtig ist eine realistische Einschätzung ihrer Möglichkeiten.

Nicht jede Ursache eines Impingementsyndroms lässt sich osteopathisch beeinflussen.

Strukturelle Veränderungen wie:

  • ausgeprägte Sehnenrisse,
  • fortgeschrittene Arthrose,
  • größere knöcherne Anbauten,
  • akute Knochenverletzungen

erfordern gegebenenfalls andere medizinische Behandlungsmaßnahmen.

Auch bei anhaltenden starken Schmerzen, erheblichen Kraftverlusten oder dem Verdacht auf schwerwiegende Erkrankungen sollte zunächst eine ärztliche Abklärung erfolgen.

Die Osteopathie versteht sich daher nicht als Ersatz, sondern als mögliche Ergänzung innerhalb eines interdisziplinären Behandlungskonzeptes.

 

Was sagt die wissenschaftliche Studienlage?

Die wissenschaftliche Forschung zur Osteopathie bei Schulterbeschwerden entwickelt sich kontinuierlich weiter.

Einige Studien deuten darauf hin, dass manualtherapeutische und osteopathische Verfahren bei bestimmten Schulterbeschwerden Schmerzen lindern und die Beweglichkeit verbessern können. Die Studienlage ist jedoch nicht einheitlich und unterscheidet sich je nach Krankheitsbild, Untersuchungsmethode und Qualität der Studien.

Deshalb lässt sich derzeit keine allgemeingültige Aussage treffen, dass Osteopathie bei jedem Impingementsyndrom wirksam ist.

Aus wissenschaftlicher Sicht erscheint es sinnvoll, osteopathische Maßnahmen als Teil eines individuellen und multimodalen Behandlungskonzeptes zu betrachten. Dazu können – je nach Befund – auch ärztliche Behandlung, Physiotherapie, medizinische Trainingstherapie und Eigenübungen gehören.

Diese differenzierte Betrachtung entspricht dem heutigen Stand der evidenzbasierten Medizin.

Mein Ansatz als Osteopath

In meiner Osteopathiepraxis steht für mich als Osteopath zunächst eine ausführliche Untersuchung im Mittelpunkt. Ziel ist es, die individuellen Ursachen der Beschwerden möglichst genau zu erfassen und funktionelle Zusammenhänge zu erkennen.

Dabei betrachte ich nicht ausschließlich die schmerzende Schulter, sondern beziehe – je nach Befund – auch Schulterblatt, Brustwirbelsäule, Rippen, Halswirbelsäule und weitere Bereiche des Bewegungsapparates in die Untersuchung ein.

Auf dieser Grundlage kann ein individuelles Behandlungskonzept entstehen, das sich an den persönlichen Beschwerden, den Untersuchungsergebnissen und den medizinischen Befunden orientiert.

Gerade diese ganzheitliche Herangehensweise ist für viele Patienten ein wichtiger Bestandteil der konservativen Behandlung von Schulterbeschwerden.

Was bisher in diesem Ratgeber noch nicht erwähnt wurde, was aber für mich von zentraler Wichtigkeit ist, ist die osteopathische Erweiterung des Subacromialraumes, weil dort die Einklemmung und Schädigung der Sehnen erfolgt. 

Zusammenfassung

Die Osteopathie betrachtet das Impingementsyndrom nicht isoliert als Erkrankung einer einzelnen Sehne, sondern als mögliche Folge eines gestörten funktionellen Zusammenspiels des gesamten Schulterkomplexes. Sie ersetzt keine medizinische Diagnostik und keine notwendige schulmedizinische Behandlung, kann jedoch – abhängig von der individuellen Ursache der Beschwerden – eine sinnvolle Ergänzung innerhalb eines ganzheitlichen Therapiekonzeptes darstellen.

 

Was Sie selbst gegen Schulterschmerzen tun können

Nicht jede Schulterbeschwerde lässt sich verhindern. Dennoch können Sie selbst viel dazu beitragen, Schmerzen zu lindern, die Schulterfunktion zu verbessern und erneuten Beschwerden vorzubeugen.

Gerade beim Impingementsyndrom spielen die Beweglichkeit, die Muskelkoordination und das richtige Belastungsmaß eine entscheidende Rolle. Oft sind bereits kleinere Veränderungen im Alltag hilfreich.

Dabei gilt ein wichtiger Grundsatz:

Bewegung ist meist sinnvoller als vollständige Schonung.

Bleiben Sie in Bewegung

Viele Menschen schonen ihre Schulter aus Angst vor weiteren Schmerzen.

Eine vollständige Ruhigstellung führt jedoch häufig dazu, dass die Muskulatur weiter abbaut und die Beweglichkeit zusätzlich eingeschränkt wird.

Sinnvoller ist eine dosierte Bewegung innerhalb der persönlichen Belastungsgrenze.

Das bedeutet:

  • regelmäßige Alltagsbewegungen,
  • schmerzarme Mobilisation,
  • langsamer Belastungsaufbau,
  • keine ruckartigen Bewegungen.

Bei stärkeren Schmerzen oder nach Verletzungen sollte die Belastung selbstverständlich individuell angepasst werden.

Merke

Eine Schulter, die gar nicht mehr bewegt wird, wird häufig steifer. Ziel ist eine regelmäßige, kontrollierte und möglichst schmerzarme Bewegung.

 

Achten Sie auf Ihre Körperhaltung

Unsere heutige Lebensweise ist häufig von langem Sitzen geprägt.

Computerarbeit, Smartphone-Nutzung und Bewegungsmangel fördern:

  • nach vorne fallende Schultern,
  • einen Rundrücken,
  • eine eingeschränkte Brustwirbelsäule,
  • erhöhte Muskelspannung im Nacken.

Diese Haltung verändert die Mechanik des gesamten Schultergürtels.

Versuchen Sie deshalb,

  • regelmäßig die Sitzposition zu verändern,
  • häufiger aufzustehen,
  • kurze Bewegungspausen einzulegen,
  • die Brustwirbelsäule bewusst aufzurichten.

Schon wenige Minuten Bewegung pro Stunde können hilfreich sein.

Gestalten Sie Ihren Arbeitsplatz ergonomisch

Ein ergonomischer Arbeitsplatz kann helfen, unnötige Belastungen zu vermeiden.

Achten Sie beispielsweise darauf,

  • dass der Bildschirm auf Augenhöhe steht,
  • die Schultern möglichst entspannt bleiben,
  • die Unterarme gut aufliegen,
  • Tastatur und Maus nah am Körper positioniert sind,
  • längere statische Haltungen vermieden werden.

Noch wichtiger als die "perfekte" Sitzhaltung ist jedoch regelmäßige Bewegung.

Die beste Haltung ist die nächste Haltung.

Trainieren Sie die Schulter regelmäßig

Eine gut trainierte Schulter ist belastbarer.

Dabei geht es nicht in erster Linie um große Muskelkraft, sondern um eine gute Zusammenarbeit der verschiedenen Muskelgruppen.

Besonders wichtig sind:

  • Rotatorenmanschette,
  • Schulterblattmuskulatur,
  • Rückenstrecker,
  • Rumpfmuskulatur.

Ein individuell angepasstes Übungsprogramm kann helfen, die Bewegungsqualität zu verbessern und Überlastungen vorzubeugen.

 

Überkopfarbeiten bewusst dosieren

Längeres Arbeiten über Schulterhöhe stellt hohe Anforderungen an den Schulterkomplex.

Falls sich solche Tätigkeiten nicht vermeiden lassen,

  • legen Sie regelmäßige Pausen ein,
  • wechseln Sie möglichst häufig die Armseite,
  • vermeiden Sie langes statisches Halten,
  • nutzen Sie bei Bedarf Hilfsmittel wie Tritte oder Arbeitsbühnen.

 

Wärmeanwendungen oder Kälte?

Ob Wärme oder Kälte als angenehm empfunden wird, ist individuell unterschiedlich.

Als grobe Orientierung gilt:

Kälte kann kurzfristig angenehm sein bei:

  • akuten Reizzuständen,
  • frischen Überlastungen,
  • Schwellungen.

Wärme empfinden viele Menschen als wohltuend bei:

  • Muskelverspannungen,
  • chronischen Beschwerden,
  • Bewegungseinschränkungen.

Entscheidend ist letztlich, welche Anwendung subjektiv als angenehm empfunden wird.

 

Schlafposition

Nachtschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden beim Impingementsyndrom.

Folgende Maßnahmen können das Schlafen erleichtern:

  • möglichst nicht auf der schmerzenden Schulter liegen,
  • den Arm mit einem Kissen leicht unterstützen,
  • Seitenlage mit Kissen vor dem Körper,
  • Rückenlage mit leichter Unterpolsterung des Arms.

Kleine Veränderungen der Schlafposition können die nächtliche Belastung deutlich reduzieren.

 

Armpendeln

Das Armpendeln der betroffenen Seite kann im Sitzen oder im Stehen ausgeführt werden. Dabei kann eine Hantel mit ein bis zwei Kilo Gewicht oder eine Flasche Mineralwasser gehalten werden. Der Arm wird dann bei wenig Bewegungsausschlag vor und zurück gependelt. Der betroffene Arm soll dabei ganz locker sein. 
Das Armpendeln bewirkt, dass durch die Eigenschwere des Armes und des zusätzlichen Gewichts in der Hand der Oberarmkopf etwas nach unten gezogen wird und so eine Erweiterung des Subacromialraumes entsteht, was die betroffenen Sehnen des Impingementsyndroms entlastet.

Das Armpendeln sollte bei Betroffenen eines Impingement mindestens 2x täglich für 15 Minuten durchgeführt werden. 

Auf Dauer kann dadurch eine minimale Erweiterung des Subacromialraumes bewirkt werden. 

Betroffenen eines Impingementsyndroms empfehle ich als Osteopath immer auch, dass sie regelmäßig walken oder joggen, weil dadurch auch eine natürliche Pendelbewegung der Arme entsteht. 

Sport trotz Schulterbeschwerden?

Grundsätzlich ist körperliche Aktivität auch bei Schulterbeschwerden wichtig.

Je nach Beschwerden kann es jedoch sinnvoll sein, bestimmte Belastungen vorübergehend anzupassen.

Oft gut geeignet sind beispielsweise:

  • Walking ohne Stöcke,
  • Joggen,
  • Radfahren,
  • Spazierengehen,
  • moderates Ausdauertraining,
  • individuell angeleitetes Krafttraining.

Gerade auch beim Joggen oder Walken entstehen Armpendelbewegungen, die bei einem Impingement-Syndrom das Schultergelenk entlasten. Sportarten mit intensiven Überkopfbewegungen sollten bei akuten Beschwerden gegebenenfalls vorübergehend reduziert werden.

Geduld gehört zur Behandlung

Viele Patienten wünschen sich eine schnelle Besserung.

Gerade Sehnen benötigen jedoch Zeit zur Regeneration.

Je nach Ursache kann die vollständige Erholung mehrere Wochen oder sogar Monate dauern.

Ein kontinuierliches Training und eine schrittweise Belastungssteigerung führen häufig zu besseren Ergebnissen als kurzfristige, sehr intensive Maßnahmen.

 

Was Sie möglichst vermeiden sollten

Folgende Verhaltensweisen können die Beschwerden verstärken:

  • dauerhafte Schonung über Wochen,
  • intensives Training trotz starker Schmerzen,
  • einseitige Belastungen ohne Ausgleich,
  • ausschließlich passive Behandlungen ohne Eigenaktivität,
  • dauerhaft schlechte Arbeitsplatzergonomie,
  • fehlende Bewegung im Alltag.

 

Checkliste: So unterstützen Sie Ihre Schulter im Alltag

✓ Bleiben Sie regelmäßig in Bewegung.

✓ Vermeiden Sie längere einseitige Belastungen.

✓ Achten Sie auf eine aufrechte Körperhaltung.

✓ Kräftigen Sie Schulterblatt und Rotatorenmanschette.

✓ Unterbrechen Sie langes Sitzen durch Bewegung.

✓ Schlafen Sie möglichst nicht auf der schmerzhaften Schulter.

✓ Steigern Sie Belastungen langsam und kontrolliert.

✓ Lassen Sie anhaltende Beschwerden fachlich abklären.

 

Merkkasten

Die wirksamste Maßnahme gegen viele funktionelle Schulterbeschwerden ist häufig die Kombination aus regelmäßiger Bewegung, gezieltem Training, einer guten Schultermechanik und einem bewussten Umgang mit Belastungen im Alltag.

 

Überleitung

Nicht alle Informationen, die über Schulterschmerzen verbreitet werden, entsprechen dem heutigen wissenschaftlichen Kenntnisstand. Rund um das Thema Schulter bestehen zahlreiche Missverständnisse, die Betroffene verunsichern oder sogar zu ungünstigen Entscheidungen führen können.

Im nächsten Kapitel räumen wir deshalb mit den häufigsten Irrtümern über Schulterschmerzen auf und erklären, was tatsächlich gilt.

Die 10 häufigsten Irrtümer über Schulterschmerzen

Rund um Schulterbeschwerden kursieren zahlreiche Aussagen, die sich hartnäckig halten. Manche beruhen auf überholten Vorstellungen, andere enthalten zwar einen wahren Kern, werden jedoch häufig missverstanden.

Im Folgenden finden Sie zehn verbreitete Irrtümer – und was nach heutigem medizinischem Wissen tatsächlich gilt.

 

Irrtum 1: „Schmerzen bedeuten immer, dass etwas kaputt ist.“

Das stimmt nur teilweise.

Schmerzen sind ein wichtiges Warnsignal des Körpers, bedeuten jedoch nicht automatisch, dass eine schwerwiegende Schädigung vorliegt.

Gerade beim Impingementsyndrom entstehen Beschwerden häufig zunächst durch Reizzustände oder funktionelle Veränderungen, ohne dass bereits eine größere Sehnenverletzung besteht.

Umgekehrt können bildgebende Untersuchungen deutliche Veränderungen zeigen, obwohl kaum Beschwerden bestehen.

Deshalb sollten Schmerzen und Bildbefunde immer gemeinsam beurteilt werden.

Irrtum 2: „Ich sollte die Schulter möglichst vollständig schonen.“

Eine kurzfristige Entlastung kann bei akuten Beschwerden sinnvoll sein.

Eine länger andauernde Ruhigstellung führt jedoch häufig zu Muskelabbau, Bewegungseinschränkungen und einer weiteren Verschlechterung der Schulterfunktion.

In den meisten Fällen ist eine angepasste, möglichst schmerzarme Bewegung günstiger als vollständige Schonung.

 

Irrtum 3: „Ein MRT zeigt immer die Ursache meiner Schmerzen.“

Die Magnetresonanztomographie liefert sehr detaillierte Bilder.

Allerdings finden sich auch bei beschwerdefreien Menschen häufig Veränderungen wie kleine Sehnenrisse oder Verschleißerscheinungen.

Nicht jeder auffällige MRT-Befund erklärt daher automatisch die Beschwerden.

Die klinische Untersuchung bleibt für die Beurteilung entscheidend.

 

Merke

Nicht jedes auffällige MRT erklärt die Schmerzen – und nicht jede schmerzhafte Schulter zeigt eindeutige Veränderungen im MRT.

 

Irrtum 4: „Bei einem Impingementsyndrom muss immer operiert werden.“

Nein.

Der überwiegende Teil der Patienten kann erfolgreich konservativ behandelt werden.

Gezielte Übungen, Physiotherapie, medizinische Trainingstherapie und – je nach Ursache – weitere konservative Maßnahmen führen häufig zu einer deutlichen Besserung.

Eine Operation ist nur in bestimmten Situationen erforderlich.

 

Irrtum 5: „Je stärker der Schmerz, desto schwerer die Erkrankung.“

Zwischen Schmerzstärke und Schwere der Erkrankung besteht kein direkter Zusammenhang.

Manche Patienten mit kleineren Veränderungen leiden unter starken Schmerzen.

Andere Menschen weisen deutliche strukturelle Veränderungen auf und haben nur geringe Beschwerden.

Schmerzen entstehen durch ein komplexes Zusammenspiel biologischer, funktioneller und individueller Faktoren.

Irrtum 6: „Nur ältere Menschen bekommen ein Impingementsyndrom.“

Mit zunehmendem Alter steigt zwar das Risiko für Verschleißveränderungen.

Ein Impingementsyndrom kann jedoch auch jüngere Menschen betreffen, insbesondere bei intensiven Überkopfbelastungen im Beruf oder Sport sowie bei funktionellen Störungen des Schultergürtels.

 

Irrtum 7: „Kräftiges Training hilft immer.“

Nicht jede Übung ist in jeder Krankheitsphase sinnvoll.

Zu intensive Belastungen können gereizte Sehnen zusätzlich überfordern.

Entscheidend sind:

  • die richtige Übung,
  • die passende Dosierung,
  • die korrekte Ausführung,
  • ein schrittweiser Belastungsaufbau.

Qualität ist dabei wichtiger als Intensität.

 

Irrtum 8: „Die Schmerzen kommen nur aus der Schulter.“

Die Schulter arbeitet eng mit vielen anderen Körperregionen zusammen.

Brustwirbelsäule, Rippen, Schulterblatt, Schlüsselbein und Halswirbelsäule beeinflussen die Bewegungsabläufe der Schulter erheblich.

Auch deshalb sollte bei anhaltenden Beschwerden der gesamte Schultergürtel untersucht werden.

 

Irrtum 9: „Wenn die Schmerzen verschwunden sind, bin ich vollständig gesund.“

Schmerzfreiheit bedeutet nicht immer, dass die Schulter ihre normale Funktion bereits vollständig zurückgewonnen hat.

Gerade nach längeren Beschwerden kann die Muskulatur noch geschwächt oder die Bewegungskoordination verändert sein.

Deshalb ist es sinnvoll, Übungen auch nach einer Besserung noch einige Zeit fortzuführen.

 

Irrtum 10: „Mit dem Alter gehören Schulterschmerzen einfach dazu.“

Zwar nehmen Verschleißveränderungen mit zunehmendem Lebensalter zu.

Dennoch sollten Schulterschmerzen niemals einfach als normale Alterserscheinung hingenommen werden.

Viele Beschwerden lassen sich konservativ gut behandeln oder zumindest deutlich lindern.

Eine frühzeitige Diagnostik verbessert häufig die Behandlungsmöglichkeiten.

 

Zusammenfassung

Viele verbreitete Vorstellungen über Schulterschmerzen halten einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht stand. Moderne Behandlungskonzepte betrachten die Schulter als Teil eines komplexen Bewegungssystems und berücksichtigen neben möglichen strukturellen Veränderungen auch funktionelle Zusammenhänge, die individuelle Belastung sowie die aktive Mitarbeit der Betroffenen.

 

Merkkasten

Nicht jede schmerzhafte Schulter ist schwer geschädigt – und nicht jede Veränderung im MRT verursacht Beschwerden. Entscheidend ist immer die sorgfältige Gesamtbeurteilung aller Befunde.

 

Überleitung

Nach den häufigsten Irrtümern möchten wir zum Abschluss noch einige Fragen beantworten, die Patienten in der Praxis besonders häufig stellen. Die folgenden FAQ fassen wichtige Informationen noch einmal kompakt zusammen und ergänzen die Inhalte dieses Ratgebers.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Thema Schulter

Was ist die häufigste Ursache für Schulterschmerzen?

Es gibt viele mögliche Ursachen für Schulterschmerzen. Zu den häufigsten zählen das Impingementsyndrom, Erkrankungen der Rotatorenmanschette, Schleimbeutelentzündungen, Kalkschulter, Arthrose des Schultereckgelenks sowie die Frozen Shoulder. Welche Ursache im Einzelfall vorliegt, lässt sich erst durch eine sorgfältige Untersuchung feststellen.

 

Was ist ein Impingementsyndrom?

Beim Impingementsyndrom kommt es zu einer Einengung der Strukturen unter dem Schulterdach. Betroffen sind vor allem die Sehnen der Rotatorenmanschette und der Schleimbeutel. Dadurch entstehen Schmerzen, insbesondere beim Anheben des Arms.

Muss ein Impingementsyndrom immer operiert werden?

Nein. Die meisten Patienten können konservativ behandelt werden. Dazu gehören unter anderem Physiotherapie, medizinische Trainingstherapie, eine angepasste Belastung sowie – je nach Ursache – weitere konservative Maßnahmen. Eine Operation wird meist erst dann erwogen, wenn trotz konsequenter Behandlung über längere Zeit keine ausreichende Besserung erreicht wird oder größere strukturelle Schäden vorliegen.

 

Welche Untersuchungen sind bei Schulterbeschwerden sinnvoll?

Die Diagnostik beginnt mit einem ausführlichen Gespräch und einer körperlichen Untersuchung. Je nach Fragestellung können Ultraschall, Röntgen oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) sinnvoll sein. Welche Untersuchungen erforderlich sind, hängt von den individuellen Beschwerden ab.

 

Welche Rolle spielt die Rotatorenmanschette?

Die Rotatorenmanschette besteht aus vier Muskeln und ihren Sehnen. Sie stabilisiert den Oberarmkopf und ermöglicht eine koordinierte Bewegung der Schulter. Veränderungen oder Verletzungen dieser Sehnen gehören zu den häufigsten Ursachen von Schulterbeschwerden.

 

Was ist der Unterschied zwischen einer Kalkschulter und einem Impingementsyndrom?

Bei der Kalkschulter lagern sich Kalkkristalle in einer Sehne der Rotatorenmanschette ab. Beim Impingementsyndrom steht dagegen eine funktionelle oder strukturelle Einengung unter dem Schulterdach im Vordergrund. Beide Erkrankungen können ähnliche Beschwerden verursachen und auch gleichzeitig auftreten.

 

Kann die Halswirbelsäule Schulterschmerzen verursachen?

Ja. Erkrankungen oder Funktionsstörungen der Halswirbelsäule können Schmerzen in die Schulter ausstrahlen. Umgekehrt können länger bestehende Schulterbeschwerden auch zu Verspannungen im Nacken führen. Deshalb sollten beide Regionen bei der Untersuchung berücksichtigt werden.

 

Welche Bedeutung hat die Körperhaltung?

Eine dauerhaft nach vorne geneigte Haltung mit Rundrücken und nach vorne fallenden Schultern kann die Schultermechanik ungünstig beeinflussen. Regelmäßige Bewegung, ergonomische Arbeitsplatzgestaltung und gezieltes Training können helfen, diese Belastungen zu reduzieren.

 

Hilft Bewegung bei Schulterschmerzen?

In den meisten Fällen ja. Eine vollständige Schonung ist häufig ungünstig. Empfehlenswert sind individuell angepasste Bewegungs- und Kräftigungsübungen innerhalb der persönlichen Belastungsgrenze. Welche Übungen geeignet sind, richtet sich nach der jeweiligen Ursache der Beschwerden.

 

Kann Osteopathie bei Schulterbeschwerden sinnvoll sein?

Die Osteopathie ersetzt keine ärztliche Diagnostik und keine notwendige medizinische Behandlung. Sie kann jedoch – abhängig von der Ursache der Beschwerden – eine sinnvolle Ergänzung eines ganzheitlichen Behandlungskonzeptes sein. Im Mittelpunkt steht dabei die funktionelle Untersuchung des gesamten Schultergürtels und der angrenzenden Körperregionen.

 

Wie lange dauert die Heilung eines Impingementsyndroms?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Leichte funktionelle Beschwerden können sich innerhalb weniger Wochen bessern. Bei länger bestehenden Reizzuständen oder strukturellen Veränderungen kann die Behandlung mehrere Monate in Anspruch nehmen. Entscheidend sind unter anderem die Ursache, die konsequente Durchführung der Therapie und die individuelle Belastung.

 

Wann sollte ich einen Arzt oder Therapeuten aufsuchen?

Eine ärztliche oder therapeutische Abklärung ist sinnvoll, wenn:

  • die Schmerzen länger als einige Wochen bestehen,
  • die Beschwerden zunehmen,
  • der Arm deutlich an Kraft verliert,
  • die Beweglichkeit stark eingeschränkt ist,
  • nach einem Unfall erhebliche Schmerzen auftreten,
  • Taubheitsgefühle oder Lähmungserscheinungen hinzukommen.

 

Mein Fazit als Heilpraktiker und Osteopath

Schulterbeschwerden gehören zu den häufigsten Erkrankungen des Bewegungsapparates. Hinter den Schmerzen können sehr unterschiedliche Ursachen stehen – von funktionellen Überlastungen bis hin zu degenerativen Veränderungen oder Verletzungen.

Aus meiner langjährigen Erfahrung als Heilpraktiker und Osteopath weiß ich, dass eine erfolgreiche Behandlung häufig mehr erfordert als die Betrachtung einzelner Strukturen. Die Schulter arbeitet nicht isoliert, sondern ist Teil eines komplexen Bewegungssystems. Schulterblatt, Brustwirbelsäule, Rippen, Schlüsselbein, Halswirbelsäule und die umgebende Muskulatur beeinflussen die Schulterfunktion in erheblichem Maße.

Ebenso wichtig ist eine sorgfältige Diagnostik. Nicht jede Veränderung im MRT erklärt die Beschwerden, und nicht jede schmerzhafte Schulter weist bereits größere strukturelle Schäden auf. Häufig ist erst die Kombination aus Anamnese, klinischer Untersuchung und – falls erforderlich – bildgebenden Verfahren entscheidend für die richtige Diagnose.

Eine frühzeitige und individuell abgestimmte Behandlung kann in vielen Fällen dazu beitragen, Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit zu verbessern und einer Chronifizierung vorzubeugen. Dabei spielen die aktive Mitarbeit der Betroffenen, gezielte Bewegung und ein ganzheitliches Behandlungskonzept eine wichtige Rolle.

Mein Rat als Heilpraktiker und Osteopath

Wenn Sie unter anhaltenden Schulterbeschwerden leiden, sollten diese nicht vorschnell als harmlose Alterserscheinung oder bloße Verspannung abgetan werden. Eine sorgfältige Untersuchung kann helfen, die Ursachen Ihrer Beschwerden besser zu verstehen und eine individuell passende Behandlung einzuleiten.

In meiner Praxis in Oberstenfeld nehme ich mir Zeit für eine ausführliche Anamnese und eine ganzheitliche Untersuchung des Schulterkomplexes. Dabei betrachte ich nicht nur die schmerzende Schulter selbst, sondern – je nach Befund – auch Schulterblatt, Brustwirbelsäule, Rippen, Halswirbelsäule und weitere funktionelle Zusammenhänge.

Wenn Sie einen erfahrenen Osteopath Oberstenfeld oder Heilpraktiker Oberstenfeld suchen, begleite ich Sie gerne mit einer individuell abgestimmten und ganzheitlichen Herangehensweise. Viele meiner Patientinnen und Patienten kommen nicht nur aus Oberstenfeld, sondern auch aus der Region als Osteopath Stuttgart, Osteopath Heilbronn, Osteopath Ludwigsburg und Osteopath Backnang. Entscheidend ist für mich dabei stets eine seriöse Diagnostik, eine verständliche Beratung und eine Behandlung, die sich an den aktuellen medizinischen Erkenntnissen sowie an Ihren persönlichen Beschwerden orientiert.

Mein Ziel ist es, Sie dabei zu unterstützen, die Funktion Ihrer Schulter nachhaltig zu verbessern und gemeinsam einen Weg zu mehr Beweglichkeit und Lebensqualität zu finden.

 

Quellen und wissenschaftliche Grundlagen

Dieser Ratgeber orientiert sich an aktuellen medizinischen Lehrbüchern, wissenschaftlichen Veröffentlichungen und evidenzbasierten Empfehlungen. Hierzu zählen unter anderem:

Nationale und internationale Leitlinien

  • Nationale VersorgungsLeitlinien (NVL), soweit thematisch relevant
  • Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC)
  • Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU)
  • Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU)
  • Empfehlungen der European Society for Surgery of the Shoulder and the Elbow (SECEC/ESSSE)
  • Empfehlungen der American Academy of Orthopaedic Surgeons (AAOS)

Fachliteratur

  • Rockwood & Matsen – The Shoulder
  • Neer CS – Shoulder Reconstruction
  • Magee DJ – Orthopedic Physical Assessment
  • Kapandji IA – Funktionelle Anatomie der Gelenke
  • Hoppenfeld S – Physical Examination of the Spine and Extremities
  • Kisner & Colby – Therapeutic Exercise

Wissenschaftliche Datenbanken

  • PubMed
  • Cochrane Library
  • PEDro (Physiotherapy Evidence Database)

Hinweis zur Evidenz

Die medizinische Forschung entwickelt sich kontinuierlich weiter. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse können bestehende Empfehlungen ergänzen oder verändern. Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine individuelle ärztliche oder therapeutische Untersuchung, Diagnosestellung oder Behandlung.