Osteopathischer Beckenbefund
Zur Befundung des Beckens stehen eine Vielzahl von verschiedenen Tests und Befundmöglichkeiten aus osteopathischer Sicht zur Verfügung. Hier kann nur eine begrenzte Auswahl davon vorgestellt werden.
Sichtbefund
Zuerst findet ein Sichtbefund im Stehen statt. Der Patient ist dabei in Unterwäsche bekleidet.
Die Statik der Füße, der Beine, des Beckens und der gesamten Wirbelsäule von vorn (Frontalebene), hinten (Dorsalebene), von der Seite (Sagittalebene) und aus der Sicht der Transversalebene wird überprüft.
Abweichungen der Statik aus der Sicht der Frontalebene bzw. Dorsalebene könnten z.B. eine seitliche Verbiegung der Wirbelsäule oder ein Hochstand eines Hüftbeines (Beinverlängerung) sein.
Abweichungen der Statik aus der Sicht der Sagittalebene könnten z.B. eine Überstreckung des Kniegelenks oder ein Hohlkreuz sein.
Abweichungen der Statik aus der Sicht der Transversalebene könnten z.B. Rotationsfehlstellungen von Knie- oder Hüftgelenk oder des Beckens sein. Wie wir bereits wissen, können Fehlstellungen der Beine bzw. der Wirbelsäule ihre Ursachen in einer Beckenfehlstellung haben.
Nach dem Sichtbefund kann der Therapeut von hinten seinen linken Zeigefinger auf den linken Beckenkamm, den rechten Zeigefinger auf den rechten Beckenkamm legen (Bild 1). So wird geprüft ob ein Hüftbein höher bzw. tiefer als das andere steht.
Anschließend kann sich der Patient in Rückenlage auf die Behandlungsliege legen. Der Behandler kann nun die Lage der Beine überprüfen. Liegen beide Beine in leichter Außenrotation auf der Unterlage? Eine vermehrte Innenrotation eines Beines könnte der Hinweis auf ein ilium anterior, eine vermehrte Außenrotation könnte der Hinweis auf ein ilium posterior (oder eine Hüftarthrose) sein.
Stufentest
Es folgt der Stufentest. Beim Stufentest, der Patient ist immer noch in Rückenlage, führt der Behandler beide Beine des Patienten in Hüft- und Kniegelenken in eine 90°-Stellung (Bild 2). Dabei überprüft er ob beide Knie auf gleicher Höhe sind. Steht ein Knie höher als das andere, kann das ein Hinweis auf ein ilium posterior auf der höher stehenden Seite oder ein ilium anterior auf der tiefer stehenden Seite sein.
Wir wissen, dass im Stehen das Bein bei einem ilium posterior kürzer ist, allerdings steht das Knie beim Stufentest höher, weil die Hüftpfanne nach ventral verschoben ist. Beim ilium anterior ist das Bein im Stehen länger, aber beim Stufentest steht das Knie tiefer.
Tasten der Sias
Der Behandler kann nun seine beiden Daumenkuppen rechts und links auf die beiden Sias des Patienten legen und vergleichen (Bild 3). Falls eine Sias mehr nach ventral bzw. die andere mehr dorsal steht, deutet dies auf eine Rotationsfehlstellung des Beckens hin. Falls eine Sias mehr caudal bzw. auf der anderen Seite mehr dorsal steht, deutet dies auf ein ilium anterior oder ilium posterior hin.
Differenzierung ob ilium posterior oder ilium anterior
Zur genauen Differenzierung ob ein ilium anterior bzw. posterior vorliegt, müssen nun die Befunde gedeutet werden.