Erst wenn die Bauchspeicheldrüse durch diese dauerhafte Mehrarbeit zunehmend erschöpft ist und die Insulinproduktion nicht mehr ausreicht, steigt der Blutzuckerspiegel an. Nun entwickelt sich ein manifester Diabetes Typ 2.
Aus diesem Grund beginnt Diabetes Typ 2 häufig bereits zehn oder sogar fünfzehn Jahre vor der eigentlichen Diagnose.
Welche Aufgabe hat Insulin?
Um die Entstehung einer Insulinresistenz zu verstehen, lohnt sich zunächst ein Blick auf die normale Funktion des Insulins.
Insulin ist ein lebenswichtiges Hormon, das in den sogenannten Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse gebildet wird. Seine wichtigste Aufgabe besteht darin, den Zucker aus dem Blut in die Körperzellen zu transportieren.
Nach jeder Mahlzeit werden Kohlenhydrate während der Verdauung in ihre kleinsten Bestandteile zerlegt. Daraus entsteht unter anderem Glukose, die über den Darm in den Blutkreislauf aufgenommen wird. Der Blutzuckerspiegel steigt an.
Die Bauchspeicheldrüse reagiert darauf mit der Ausschüttung von Insulin. Das Hormon bindet an spezielle Insulinrezeptoren auf der Oberfläche der Körperzellen. Dadurch öffnen sich Transportmechanismen, über die die Glukose in die Zellen gelangen kann.
Vor allem Muskelzellen, aber auch Fett- und Leberzellen, nutzen Glukose als wichtigen Energielieferanten. Gleichzeitig wird überschüssige Glukose als Glykogen in Leber und Muskulatur gespeichert oder – bei einem dauerhaften Energieüberschuss – in Körperfett umgewandelt.
Man kann sich Insulin wie einen Schlüssel vorstellen, der die Türen der Körperzellen öffnet. Funktioniert dieses System, bleibt der Blutzuckerspiegel in einem gesunden Bereich.
Was bedeutet Insulinresistenz?
Die Insulinresistenz stellt die eigentliche Vorstufe des Diabetes Typ 2 dar.
Dabei reagieren die Körperzellen zunehmend schlechter auf das vorhandene Insulin. Obwohl ausreichend oder sogar sehr viel Insulin vorhanden ist, gelangt immer weniger Glukose in die Muskel-, Fett- und Leberzellen.
Die Bauchspeicheldrüse versucht zunächst gegenzusteuern und produziert immer größere Mengen Insulin. Der Blutzucker kann dadurch oft über Jahre im Normalbereich gehalten werden. Gleichzeitig steigt jedoch der Insulinspiegel dauerhaft an.
Dieses chronisch erhöhte Insulin hat zahlreiche Auswirkungen auf den Stoffwechsel.
Es fördert die Fettspeicherung, erschwert den Fettabbau und beeinflusst das Hunger- und Sättigungsgefühl. Viele Betroffene verspüren schon kurze Zeit nach dem Essen erneut Hunger. Dadurch entsteht häufig ein Teufelskreis aus übermäßiger Kalorienaufnahme, Gewichtszunahme und einer weiter zunehmenden Insulinresistenz.
Erst wenn die Bauchspeicheldrüse die dauerhaft erhöhte Insulinproduktion nicht mehr aufrechterhalten kann, steigt der Blutzuckerspiegel an und ein Diabetes Typ 2 entwickelt sich.
Prädiabetes – die oft unerkannte Vorstufe
Zwischen einem gesunden Zuckerstoffwechsel und einem manifesten Diabetes Typ 2 liegt häufig eine Übergangsphase, die als Prädiabetes bezeichnet wird.
In dieser Phase sind der Nüchternblutzucker, der Langzeitblutzucker (HbA1c) oder die Blutzuckerwerte nach einem Zuckerbelastungstest bereits erhöht, erfüllen jedoch noch nicht die Kriterien eines Diabetes.
Viele Menschen bemerken davon nichts, da Beschwerden oft vollständig fehlen.
Gerade der Prädiabetes bietet jedoch eine große Chance. Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass sich durch Gewichtsreduktion, regelmäßige Bewegung und eine Ernährungsumstellung die Entwicklung eines Diabetes Typ 2 häufig deutlich verzögern oder sogar verhindern lässt.
Deshalb lohnt es sich insbesondere bei Übergewicht, Bluthochdruck, erhöhten Blutfetten oder einer familiären Vorbelastung, die Blutzuckerwerte regelmäßig kontrollieren zu lassen.