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Das Schmerzgedächtnis
Je länger Schmerzen bestehen, desto stärker verändert sich das Nervensystem.
Mediziner sprechen dann vom sogenannten Schmerzgedächtnis.
Dabei werden Schmerzbahnen im Rückenmark und Gehirn immer leichter aktiviert. Das Nervensystem lernt gewissermaßen den Schmerz.
Schon geringe Reize können dann Schmerzen auslösen.
Mit der Zeit benötigt der Körper keine ursprüngliche Verletzung mehr, um Schmerzen wahrzunehmen.
Deshalb können chronische Schmerzen bestehen bleiben, obwohl die eigentliche körperliche Ursache längst ausgeheilt ist.
Wer ist besonders betroffen?
Eine Somatoforme Schmerzstörung kann grundsätzlich jeden Menschen betreffen.
Besonders häufig findet man sie jedoch bei Menschen,
- die hohe Verantwortung tragen,
- sehr leistungsorientiert sind,
- eigene Bedürfnisse häufig zurückstellen,
- dauerhaft unter Stress stehen,
- belastende Lebensereignisse erlebt haben,
- Konflikte über lange Zeit unterdrücken oder
- schon länger unter Ängsten oder depressiven Verstimmungen leiden.
Oft handelt es sich um Menschen, die jahrelang "funktioniert" haben und Warnsignale ihres Körpers übergangen haben.
Warum eine ganzheitliche Diagnostik wichtig ist
Auch wenn psychische Faktoren eine wichtige Rolle spielen, müssen zunächst mögliche körperliche Ursachen sorgfältig abgeklärt werden.
Eine Somatoforme Schmerzstörung ist immer eine Ausschlussdiagnose.
Erst wenn schwerwiegende organische Erkrankungen ausgeschlossen wurden, sollte die Schmerzverarbeitung als mögliche Ursache betrachtet werden.
Deshalb beginnt jede Behandlung mit einer ausführlichen Anamnese und einer gründlichen körperlichen Untersuchung.
Ganzheitliche Behandlung der Somatoformen Schmerzstörung
Eine erfolgreiche Behandlung berücksichtigt immer Körper und Psyche gleichermaßen.
Je nach individueller Situation können verschiedene Therapiebausteine sinnvoll kombiniert werden.
Dazu gehören beispielsweise:
- osteopathische Behandlungen
- Entspannungsverfahren
- Psychologische Beratungsgespräche, bei denen es auch um das Herausarbeiten von unbewältigten emotionalen Konflikten geht
- Stressregulation
- Unterstützung bei der Verarbeitung belastender Erfahrungen
Ziel ist es, das überaktivierte Nervensystem wieder zu beruhigen, die Schmerzsensibilisierung zu reduzieren und dem Körper Sicherheit zurückzugeben.
Schmerzen verstehen – statt gegen sie anzukämpfen
Viele Betroffene erleben bereits eine Entlastung, wenn sie verstehen, wie chronische Schmerzen entstehen.
Der Schmerz verliert dadurch nicht seine Bedeutung, wird aber erklärbar.
Das Wissen, dass Gehirn, Nervensystem und Psyche gemeinsam an der Schmerzentstehung beteiligt sind, eröffnet neue Behandlungsmöglichkeiten.
Gerade bei einer Somatoformen Schmerzstörung geht es nicht darum, den Schmerz als "eingebildet" abzutun, sondern seine tatsächlichen Ursachen im Nervensystem zu erkennen und gezielt zu behandeln.