Neurologische Befunderhebung, die das periphere Nervensystem betrifft
Hauptsymptome bei Schädigungen des peripheren Nervensystems sind schlaffe Lähmungen sowie Störungen der Oberflächen- und Tiefensensibilität.
Am Anfang des Befundes steht die Anamnese, bei der zuerst grundsätzliche Daten wie Name, Alter, Diagnose und Beruf erfasst werden. Zur Anamnese gehören auch Fragen nach den momentanen Beschwerden und Einschränkungen und deren Dauer.
Weitere Fragen beziehen sich auf die Krankheits(vor)geschichte, das Allgemeinbefinden, eventuelle Schmerzen und welche Therapien bisher durchgeführt wurden. Nach der Anamnese erfolgt die neurologische Untersuchung.
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Allgemeine Inspektion
Bei der allgemeinen Inspektion werden die Haltung, das Gangbild, einfache Alltagsbewegungen in Verbindung mit der Grobmotorik überprüft. Auch sollte grob die Beweglichkeit der Gelenke überprüft werden. Verwendet der Patient Hilfsmittel wie Gehstöcke oder Schienen?
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Überprüfen der groben Kraft
Beim Überprüfen der groben Kraft werden die einzelnen Muskelgruppen auf eventuelle Paresen oder Plegien untersucht. Die Überprüfung kann im Liegen (Rückenlage) oder im Sitzen erfolgen.
Die überprüften Kraftgrade werden in 0 bis 5 unterteilt:
Kraftgrad 0: Keine Bewegung, auch keine Anspannung der jeweiligen Muskelgruppe.
Kraftgrad 1: Eine gerade eben sichtbare Anspannung des Muskels, aber keine Bewegung.
Kraftgrad 2: Bewegung des Gelenkes ohne Einwirken der Schwerkraft ist gerade so möglich.
Kraftgrad 3: Bewegung gegen die Schwerkraft ist möglich, jedoch nicht gegen den Widerstand des Therapeuten.
Kraftgrad 4: Bewegung gegen Widerstand des Therapeuten ist möglich.
Kraftgrad 5: Bewegung gegen starken Widerstand des Therapeuten ist möglich.
Ich stelle hier die Überprüfung aus Rückenlage des Patienten auf der Behandlungsbank vor.
Begonnen wird an der unteren Extremität.
Der Therapeut steht am Fußende der Bank. Der Patient soll beidseits seine Zehen beugen und danach strecken. Der Therapeut gibt Widerstand gegen die jeweilige Bewegung und überprüft wie stark die Kraft in die jeweilige Bewegungsrichtung ist.
Danach soll der Patient beide Füße gegen den Widerstand des Therapeuten in Dorsalextension, danach in Plantarflexion bewegen.
Dann kann der Patient beide Knie beugen und dabei die Füße auf die Behandlungsbank stellen. Der Therapeut umfasst die Füße des Patienten im Bereich der Achillessehnen und zieht die Unterschenkel in Richtung Kniestreckung (Überprüfen Kniebeuger, Bild 1). Im Anschluss drückt der Therapeut die Knie des Patienten auseinander (Hüftadduktoren), danach drückt er sie zusammen (Hüftabduktoren). Dabei soll der Patient die überprüften Muskeln immer maximal anspannen.
Weiter geht es mit der Prüfung der Knieextensoren (Durchführung siehe Bild 2). Danach macht der Patient eine Brücke. Der Therapeut drückt dabei das Becken nach unten (Überprüfen Hüftextensoren). Im Anschluss dreht sich der Patient auf Bauchlage und beugt die Knie 90° an. Der Therapeut drückt an den Außenknöcheln des Patienten nach innen (Überprüfen der Hüftinnenrotatoren), anschließend nach außen (Überprüfen der Hüftaußenrotatoren).
Nachdem der Patient seinen Oberkörper etwas von der Unterlage abgehoben hat (Überprüfen Rückenmuskeln), dreht er sich wieder auf Bauchlage, wo dann durch Abheben von Kopf und Schultern die Bauchmuskeln überprüft werden.
Danach hebt der Patient seine Arme in Richtung Decke. Der Therapeut überprüft in dieser Position die Kraft der Schultermuskeln in Ab- und Adduktion, Flexion und Extension sowie der Innen- und Außenrotatoren. Anschließend legt der Patient seine Arme ab und beugt sie in den Ellenbogen 90° an. Der Therapeut prüft in dieser Position die Ellenbogenbeuger und Ellenbogenstrecker.
Danach geben sich Patient und Therapeut über Kreuz die Hände (siehe Bild 3) und der Patient drückt zu (Überprüfen Fingerbeuger). Im Anschluss streckt der Patient die Finger gegen den Widerstand des Therapeuten.
Der Therapeut notiert die jeweiligen Kraftgrade. Gegebenenfalls kann die Überprüfung zur Verlaufskontrolle der Therapie später wiederholt werden.
Angemerkt sei noch, dass allein schon sichtbare Muskelatrophien Hinweis auf eine Parese oder Plegie sein können.